Aussenraum einer Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen

Die Natur und körperliche Aktivitäten haben einen positiven und massgeblichen Einfluss auf die Wohn- und Lebensqualität in einer Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen.

Der Aussenraum soll anregen, unterhalten und zur Nutzung motivieren. Er bedient unterschiedliche Bedürfnisse und Nutzungen wie spazieren gehen, ausruhen und gärtnern. Die Grösse und Ausgestaltung ist von der Art und Anzahl der Bewohnende abhängig und muss mit der Bauherrenschaft und Fachleuten definiert werden. Allgemein gilt bei der Planung und Gestaltung auf ein erhöhtes Sicherheitsaufkommen für die Bewohnende zu achten.

Lage des Aussenraumes

Der Aussenraum muss für die Bewohnende leicht und hindernisfrei zugänglich sein. Die Erschliessung sollte aus mindestens zwei Aufenthaltsbereichen ganzjährig möglich sein.

Wege

Die Wegführung soll abwechslungsreich, nachvollziehbar und mit einem oder mehreren Zielen verbunden sein. Alle Hauptwege müssen zum Ausgangspunkt zurückführen. Sackgassen, abrupte Weg- und Richtungsänderungen sollen vermieden werden.

  • Die Wege sollen ausreichend breit dimensioniert sein, damit auch ein Rotieren und paralleles Gehen möglich ist. Empfohlen wird eine Breite von 1.80 m.
  • Hilfsmittel für den Aussenraum, Scooter und Handrollstühle mit Zug­geräten benötigen bei Richtungsänderungen von mehr als 45 Grad ei­nen Radius von mind. 1.90 m am äusseren Wegrand.
  • Wege sind so niedrig wie möglich und mit einer Neigung von max. 6% auszuführen.
  • Wege mit Quergefälle sind mit Rollstuhl oder Rollator schwierig zu be­fahren, da die Hilfsmittel dem Gefälle folgen und entsprechend gegen­gesteuert werden muss. Entwässerungsgefälle sind, wenn möglich in Fortbewegungsrichtung anzulegen. Ein unvermeidbares Quergefälle darf max. 2% betragen.
  • Der Randabschluss von Wegen und Plätzen soll gut ertastbar sein. Es empfiehlt sich den Übergang zu einer Rasenfläche ebenerdig und von Pflanzenflächen leicht erhöht zu gestalten.

Plätze

Die Plätze sollen ähnlich wie die Aufenthaltsbereich im Gebäude unterschiedliche Bedürfnisse bedienen und Abwechslungsreich sein. Sie sollten gemeinschaftliche Bereiche für Begegnung, Spiel und Kommunikation, sowie ruhige Zonen für Rückzug, Erholung und Entspannung abdecken. Die beiden Zonen sollen deutlich voneinander getrennt werden.

  • Ausreichend Sitzgelegenheiten die vor Sonne, Wind und Regen schützen sind einzuplanen. Damit die Bewohnende nicht abgelenkt werden, ist besonders bei Ruhebereichen ein zusätzlicher Sichtschutz empfehlenswert.
  • Hierzu zählt eine gute Überschaubarkeit des Geländes für das begleitende Personal, besonders bei der Gestaltung von Nischen.
  • Plätze mit Pergola, Gartenschuppen, Pavillon etc. können biografische Erinnerungen erwecken.
  • Individuelle Rückzugsmöglichkeiten (Nischen, Einzelplätze) mit interessanten Ausblicken sind nach Möglichkeit zu integrieren.
  • Die gleichen Anforderungen an Begehbarkeit müssen die der Wege erfüllen.

Bodenbeläge

Die Oberflächen sollen begehbar, witterungs- und rutschfest sein und dürfen keine Blendung oder Spiegelung erzeugen.

  • Hauptwege sind möglichst eben und hart. Der Hauptweg soll durchgehend mit demselben Material gestaltet sein. Nebenwege können auch mit Naturmaterialien ausgeführt werden, solange sie nahezu eben sind. Mit einem differenzierten Belag können Kreuzungen die Orientierung unterstützen.
  • Plattenbeläge müssen sorgfältig und plan verlegt werden. Die Fugen sind max. 10 mm breit.

Treppen und Rampen

Für Treppen und Rampen im Aussenbereich gelten die allgemeinen Richtlinien.

Orientierung

Die Gartentypologie ist klar und intuitiv zu gestalten. Mit folgenden Mittel lässt sich eine gute und sichere Orientierung erzeugen:

  • Wegweiser und Aussichtspunkte für eine zielgerichtete Orientierung
  • Markante Bepflanzungen wie ein grosser Baum als Orientierungspunkt. Es wird eine Fachperson für die Auswahl der Pflanzen empfohlen.
  • Sinnliche Orientierungspunkte wie ein Brunnen für die akustische Wahrnehmung oder Duftpflanzen für den Geruch.

Beleuchtung

Im gesamten Aussenraum ist die Beleuchtung gleichmässig verteilt und blendfrei für die Nutzende. Eine geeignete Beleuchtung (Art und Platzierung) kann eine Differenzierung zwischen Haupt- und Nebenwegen verdeutlichen. Lichtakzente auf Stufen, Schildern, Sitzplatz oder Objekten dienen der Sicherheit und Orientierung.

Mobiliar

Die Anzahl der Sitzmöglichkeiten und Tische soll im Verhältnis der Bewohnende stehen und entsprechend ausreichend vorhanden sein. Das Mobiliar soll für Gruppen und Einzelpersonen sowie für Rollstuhlfahrende geeignet sein. Besonders Attraktionen wie ein Tiergehege oder ein Teich laden zum Verweilen ein.

  • Die Sitzmöglichkeiten können unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen (Schaukelstuhl, Stühle mit Kissen, Bänke,  etc.). Zu empfehlen ist eine Sitzhöhe von ca. 0,46 m sowie eine nach hinten geneigte Rücken- und Seitenfläche von 2 % der Sitzfläche..
  • Unterfahrbare Tische ermöglichen den Rollstuhlfahrenden die Teilnahme an den Aktivitäten. Die Tische sind 0,72 m bis 0,76 m hoch und bis zu einer Höhe von 0,70 m unterfahrbar. Empfehlenswert sind Tische, die von mehreren Rolllstuhlfahrende gleichzeitig genutzt werden können.
  • Hochbeete sind eine rückenschonende und pflegeleichte Möglichkeit zu gärtnern. Einige davon müssen unterfahrbar sein. Sie müssen Haltegriffe und Haken für Gartengeräte in greifbarer Höhe bieten. Die Oberkante sollte sich auf einer Höhe von 0,90 m befinden.
  • Das gesamte Mobiliar muss witterungsbeständig sein und bei jedem Wetter eine angenehme Oberfläche haben. Besonders im Sommer dürfen sich die Oberflächen nicht zu sehr aufheizen. Empfehlenswert ist überdachtes Mobiliar.

Aktivitäten

Über verschiedene Angebote können die Bewohnende zur aktiven Nutzung motiviert werden, in dem sie Verantwortung über kleine Aufgaben der Gartenarbeit übernehmen.

  • Kräutergarten
  • Sinnespfad
  • Wasser treten (Kneipp-Anlage)
  • Blumenbeet
  • Kontakt mit Besuchenden und Passanten durch öffentlichere Bereiche

Geschützter Aussenraum für Menschen mit Demenz

Das Wohlbefinden lässt sich besonders bei Menschen mit Demenz fördern. Ihr Selbstwertgefühl steigt durch die sensorische Stimulation der Natur. Für sie ist ein eigener und geschützter Aussenraum zu planen. Er sollte an den Wohn-, Aufenthaltsbereich der Demenz-WG angrenzen.

Beispiel für einen Aussenraum für eine Wohngemeinschaft WG mit Pflege

 

Beispiel für eine WG mit Betreuung

 

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