Um gehbehinderten Personen ein Maximum an Selbständigkeit, Komfort und Sicherheit zu gewähren, müssen rollstuhlgerechte Toiletten spezifische Anforderungen erfüllen, damit sie für einen möglichst grossen Kreis von Nutzern selbständig nutzbar sind.
Die Anforderungen an rollstuhlgerechte Toiletten in öffentlich zugänglichen Bauten werden in der Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» unter der Ziff. 7.2 sowie im Anhang E.1 festgelegt. Rollstuhlgerechte Toiletten gelten als spezifische Einrichtungen des Typ A, welche vorwiegend oder ausschliesslich von Personen mit Behinderung benutzt werden und gemäss der Norm bereitzustellen sind (Ziff. 1.1).
Für Details zur Ausstattung von rollstuhlgerechten Toiletten, siehe Beitrag «Ausstattung rollstuhlgerechter Toiletten».
Die minimalen Raummasse sind durch die Öffnungsrichtung der Tür vorgegeben. Die folgenden minimalen Längen und Breiten sind Fertigmasse und müssen unverändert eingehalten werden (Ziff. 7.2.2, 7.2.3.2 und Anh. E.1).
Hinweis
In der minimalen Fläche von 1.80 x 1.65 m dürfen nur die im Anhang E.1 aufgeführten Elementen hineinragen. Zusätzlich fest montierte Apparate, Armaturen, Hilfseinrichtungen und Zubehör gehören nicht dazu (Anh. E.1 und Auslegung SIA 500, 2018, A29).
Türe nach aussen öffnend

Türe nach innen öffnend
Entweder die Raumlänge oder die Raumbreite muss um 0.50 m vergrössert werden (Ziff. 7.2.3.2 und Anh. E.1).
Variante 1:

Variante 2:

Hinweise
Personen mit Rollstuhl nutzen je nach ihren individuellen Fähigkeiten unterschiedliche Positionen, um vom Rollstuhl auf das WC zu transferieren. Die rollstuhlgerechte Toilette gemäss Norm SIA 500 ermöglicht je nach Bedarf verschiedene Anfahrtspositionen: von vorne (40-50%), schräg von der Seite (30-40%) oder seitlich parallel (20-30% der NutzerInnen).
Die Anordnung der Apparate, Hilfseinrichtungen und des Zubehörs, wie z.B. WC-Schüssel, Haltegriff oder Handtuchspender, ist in der Norm SIA 500 festgelegt (Anh. E.1). Diese Einrichtungen müssen immer gleich angeordnet werden. Die Norm regelt deren Position sowie die Höhen-, Achs- und Zwischenmasse. Folgende Anforderungen sind erforderlich und müssen unverändert und vollständig eingehalten werden:
Die Klosettbecken müssen eine Anlehnmöglichkeit anbieten: Es sind drei Arten von WC-Schüssel und Montage zulässig (Anh. E.1.1.F), wovon die Installation eines aufgesetzten Spülkastens nach Variante 1 zu bevorzugen ist.
Variante 1:
WC-Schüssel mit aufgesetztem Spülkasten

Variante 2:
Kurze WC-Schüssel mit UP-Spülkasten in eine Vormauerung

Variante 3:
Lange WC-Schüssel mit UP-Spülkasten in Rückwand

Das Handwaschbecken muss aus Hygienegründen sitzend von der WC-Schüssel aus erreichbar sein.
Hinweise
Beim Handwaschbecken ist ein Einhebelmischer einer berührungslosen Sanitärarmatur  vorzuziehen: Ein unbeabsichtigtes Auslösen des Wasserflusses kann so vermieden werden.Â
Nach besonderen Intimpflegen muss eine Person mit Behinderung sich die Hände mit warmem Wasser waschen können.
Wo zeitweilig mit einer grossen Anzahl Rollstuhlfahrer gerechnet werden muss, aber nur ein einziges Rollstuhl-WC zur Verfügung steht (z.B. bei einer Sportanlage), sind benutzbare Urinale ein sinnvolles, ergänzendes Angebot. Ein niedriges Urinal kann von vielen Personen genutzt werden: von im Rollstuhl sitzenden Männern, Kleinwüchsigen oder Knaben.
Weitere Informationen finden Sie im Merkblatt 010 «Sanitäranlagen» und im Artikel «Die 11 häufigsten Fragen zum Thema behindertengerechte WC-Anlagen».
Stand 11.02.2020
Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A29: Platzierung von zusätzlichen Apparaten in behindertengerechten Toiletten
Dank Ihrer Spende können wir unsere Publikationen frei und kostenlos zugänglich machen. Helfen Sie mit, dass es so beibt.
Dank Ihrer Spende können wir unsere Publikationen frei und kostenlos zugänglich machen. Helfen Sie mit, dass es so beibt.
Dank Ihrer Spende können wir unsere Publikationen frei und kostenlos zugänglich machen. Helfen Sie mit, dass es so beibt.