Die räumliche Konzeption von Wohngemeinschaften mit Pflegeleistungen beeinflusst massgeblich die Wohn- und Lebensqualität, als auch die Funktionalität der Räume.
In einer Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen bietet die bauliche Umgebung im Innen- und Aussenbereich den Bewohnenden sowohl Sicherheit als auch Autonomie. Sie unterstützt ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ermöglicht gleichzeitig einen Rückzug. Ihre Menschenwürde ist ihnen bewahrt. So können sie ein möglichst selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen.
Eine Wohngemeinschaft mit Betreuung eignet sich für Menschen die in der Lage sind selbstbestimmt zu leben. Sie werden je nach aktuellem Bedürfnis und Absprache im Haushalt individuell unterstützt.
Die Erschliessung umfasst alle zusammenhängenden Wege und räumlichen Sequenzen, die es der Person ermöglichen, am Leben in der Pflege-WG teilzunehmen. Die Gebäudestruktur ist einfach und logisch, so dass die Bewohnenden sich intuitiv orientieren können.
Personen mit eingeschränkter Mobilität müssen die Flügel- und Schiebetüren leicht bedienen können. Dafür sind Manövrierflächen und gut umgreifbare Griffe vorgesehen.
Die Bodenbeläge sind mit Gehhilfen gut befahrbar, verursachen keine Stolperfallen und sind sowohl im trockenen als auch im feuchten Zustand rutschfest.
Genaue Informationen zu Bodenbelägen sind im Beitrag «Bodenbeläge in Gebäuden mit erhöhten Anforderungen» ausführlich beschrieben.
Eine geeignete Materialisierung der Oberflächen (Wände und Decke) verringert die Verletzungsgefahr, verbessert die Raumakustik und unterstützt die Lichtreflexion.
Tageslicht fördert die Ausschüttung von Serotonin und kann Depressionen reduzieren. Bei Einbruch der Dunkelheit nimmt es auf natürliche Weise, was den Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt. Für Menschen, die sich fast den ganzen Tag in ihrer Wohnung aufhalten, ist eine ausreichende Tageslichtversorgung daher von besonderer Bedeutung. Der Lichtbedarf steigt mit zunehmendem Alter. Um diesen Bedarf zu decken, stehen den Architekten vielfältige Bauelementen wie z. B. französische Fenster, Erker oder Wintergärten zur Verfügung.
Bei grossen Glasflächen sollte jedoch besonders auf Verdunkelungsmöglichkeiten (Jalousien, Fensterläden usw.) geachtet werden, um Blendungen zu vermeiden und die Privatsphäre des Bewohnenden zu gewährleisten. Für Sonnen- und Sichtschutz wird zusätzlich die Planung von Vorhangschienen empfohlen, insbesondere in den Bewohnerzimmern, da Vorhänge eine persönliche Note verleihen können. In Gemeinschaftsräumen können sie auch als Raumteiler oder zur Verbesserung der Akustik eingesetzt werden.
Bei der Planung aller Bedienelemente müssen die Bedürfnisse der Bewohner in Bezug auf Ergonomie und Bedienbarkeit berücksichtigt werden. Die Gemeinschaftsräume sollten möglichst frei gestaltbar sein und über eine ausreichende Anzahl von Lichtschaltern und Steckdosen verfügen. Dies gilt auch für den Pflegebad und die Bewohnerzimmer.
Die Beleuchtung kann nach Grundbeleuchtung, Arbeitslicht und Leselicht unterschieden werden.
Visuelle Kontraste unterstützen eine autonome und sichere Orientierung. Sie ermöglichen es, die einzelnen Etagen farblich voneinander zu unterscheiden, indem sie die Raumstimmung und das Temperaturempfinden beeinflussen. Helligkeits- und Farbkontraste zwischen baulichen Elementen fördern auch die manchmal eingeschränkte Raumwahrnehmung älterer Menschen oder Menschen mit psychischer Beeinträchtigung – beispielsweise durch die Hervorhebung von Türen gegenüber Wänden. Gleichzeitig erleichtern sie das Erkennen von Hindernissen, Treppen, Handläufen usw.
Alle Informationen müssen für mindestens zwei der drei Sinne zugänglich oder abrufbar sein: Sehen, Hören und Fühlen. Dadurch können Menschen mit Sinnesbehinderungen über einen intakten alternativen Sinn auf Informationen zugreifen. Wichtige visuelle Informationen, die für die Orientierung und Sicherheit relevant sind, müssen auch taktil vermittelt werden.
Die Anforderungen an Aussenanlagen sind in dem Beitrag « Aussenbereiche von Wohngemeinschaften mit Pflegeleistungen» beschrieben.
Besondere Anforderungen bei Demenz in einer Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen
Intuitive Orientierung
Ältere Menschen, insbesondere Menschen mit Demenz, leiden unter Orientierungslosigkeit. Dies führt zu immer mehr Unsicherheiten in ihrem Lebensumfeld. Die Architektur muss es ihnen daher ermöglichen, sich intuitiv zu orientieren. Sackgassen im Innen- und Außenbereich müssen unbedingt vermieden werden.
Angebote für körperliche Aktivitäten
Das Bedürfnis zu gehen, das bei Demenz häufig auftritt, kann mit Hilfe von Wegen, die Rundwege bilden, kanalisiert werden. Die Möglichkeit sich zu bewegen kann ihre Unruhe lindern.
Intelligentes Schliesssystem
Ein individuelles Schliesssystem ermöglicht die Privatsphäre und die Intimsphäre der Bewohnenden zu schützen. Bei Orientierungsverlust kann es auch eingesetzt werden, um zu verhindern, dass die Person die Wohnung eigenständig verlässt und sich selbst in Gefahr bringt. Dies muss jedoch von der Personalleitung genehmigt werden.
Techniken der Beleuchtung
Die richtige Beleuchtung kann einen grossen Einfluss auf den Schlaf, die Stimmung und das allgemeine Wohlbefinden der Bewohnenden haben. Die Qualität des künstlichen Lichts spielt dabei eine grosse Rolle.
Circadiane Kontrolle des Lichts
Durch intelligente Steuerung unterstützt ein effizientes zirkadianes Beleuchtungssystem den natürlichen biologischen Tag-Nacht-Rhythmus, indem es die Intensität und Farbe der Raumbeleuchtung je nach Tages- und Jahreszeit variiert. Blaue Wellenlängen können z. B. die Melatoninausschüttung stören, was dann wiederum die Schlafgewohnheiten beeinträchtigen kann. Die biologischen und hormonellen Funktionen des Körpers werden durch diesen Rhythmus angeregt.
Lichttherapie
Einen eigenen Raum für die Lichttherapie vorzusehen, kann an dunklen Wintertagen z. B. die Symptome einer Demenz oder einer Depression verringern oder eindämmen. Eine Lichtdusche mit mehr als 10.000 Lux ist dann angebracht.
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