Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen – Übersicht

Die Bewohnenden einer Wohngemeinschaft diskutieren am Tisch im Essbereich / Les résidents d'un logement communautaire avec prestations de soins discutent à table dans la salle à amnger

Eine Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen bietet individuellen Wohnraum und grösstmögliche Autonomie in Kombination mit institutioneller Unterstützung im Alltag.

Diese neue Wohnform ist eine Alternative zum Altersheim und bietet Unterstützung und medizinische Pflege. Dank dieses Angebots leben die Personen nicht allein und können ihren Alltag besser bewältigen. Als Mitbewohnenden sind sie Teil einer Wohngemeinschaft, in der es Gemeinschaftsräume, Einzelzimmer und Räume für das Pflege- und Betreuungspersonal gibt.

Die Betreuung ist stärker institutionalisiert als in einer Wohngemeinschaft mit Begleitung, in der die Menschen selbstständig leben, sich aber auf ihre Mitbewohner und auf Hilfspersonen verlassen können.

Lage und Integration im Umfeld

Einen zentralen Standort in der Nachbarschaft oder im Dorf unterstützt die Autonomie der Personen durch kurze Wege zu den Dienstleistungen in der Nähe (Supermarkt, Arzt, Apotheke, Post, Bank usw.). Dies stimuliert die Mitbewohnenden, indem spontane Besuche gefördert werden. Darüber hinaus ist es von Vorteil, eine Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen (Pflege-WG) in andere Programme wie Tagespflege, Wohnhäuser, Kindergärten und Gesundheitseinrichtungen zu integrieren.

Zugang

Mit einem hindernisfreien Zugang zum Gebäude und seiner Umgebung gelangen die Mitbewohnenden und Besucherenden selbstständig, direkt und stufenlos von der Strasse zum Haupteingang und zur Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen.

Der Aufzug muss alle Geschosse stufenlos erschliessen, auch Untergeschosse, um rollstuhlgerechte Verbindungen von der Wohnung zu Nebenräumen und Tiefgaragen zu gewährleisten.

Als Begegnungsort ergänzen Treppen den stufenlosen Zugang über den Aufzug. Angemessene Beleuchtung, beidseitige Handläufe und Markierung der Stufen sorgen für Sicherheit und machen die Treppen auch für Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung nutzbar.

Raumprogramm

Räumlich und konzeptionell orientiert sich diese Form des gemeinschaftlichen Wohnens an einem «Zuhause», indem sie eine Lebensweise mit grösstmöglicher Autonomie anbietet. Die Wohneinheit ist sowohl an die räumlichen Bedürfnisse der Gemeinschaft als auch an die der Pflegedienste angepasst. In der Regel leben in diesen Wohngemeinschaften zwischen 8 und 12 Personen. Dadurch wird zum einen ein Gruppengefühl geschaffen, zum anderen eine gute Wirtschaftlichkeit erreicht.

In einer Pflege-WG hat jede Person ihr eigenes Zimmer mit einer Nasszelle. Küche, Essbereich und Wohnzimmer sind gemeinsam genutzt.

Das unten schematisch dargestellte Raumprogramm ist für eine Pflege-WG für ältere Menschen geeignet. Für andere Nutzergruppen muss das Raumprogramm an ihre spezifischen Bedürfnisse angepasst werden. Bei einer Jugendwohngemeinschaft müssen beispielweise Innen- und Aussenwohnbereiche für Sport und Freizeitaktivitäten (Tischtennis, Fitness, Musik usw.) vorgesehen werden.

Raumprogramm einer Wohngemeinschaft mit Pflegeleistungen als Schema dargestellt

Gemeinschaftsbereich

In einer Pflege-WG müssen die Gemeinschaftsräume in Bezug auf Komfort, Vertrautheit und Atmosphäre ein Qualitätsniveau bieten, das weit über den rein funktionalen Rahmen hinausgeht. Sie sollten sowohl Bereiche umfassen, die Begegnungen ermöglichen, als auch solche, die eine gewisse Privatsphäre verschaffen, wie etwa einen ruhigen Ort zum Lesen in einer Nische. Die Raumabfolge sollte leicht verständlich sein. Eine flexible Raumkonfiguration ist besonders nützlich bei Feiern oder Gruppenveranstaltungen.

  • Das Foyer ist mit einer Garderobe, Sitzgelegenheiten und Stauraum ausgestattet. Dort müssen Transfer- und Manövrierflächen vorhanden sein, die z. B. für den Wechsel von Hilfsmitteln benötigt werden.
  • Zu diesem Zweck sollte in der Nähe des Foyers ein Abstellraum vorhanden sein, in dem die extern verwendeten Hilfsmittel (Rollatoren, Rollstühle und andere) aufbewahrt werden können.
  • Die Küche ist der Hauptaufenthaltsort und Treffpunkt der Gemeinschaft. Sie ist als offene Gemeinschaftsküche gestaltet werden und ermöglicht es den Senioren, ihre täglichen Gewohnheiten beizubehalten und gleichzeitig ihren Appetit anzuregen..
  • Der Essbereich oder das Esszimmer sollte sich neben der Küche und dem Wohnzimmer befinden, die Tische als Arbeitsflächen für die Zubereitung der Mahlzeiten dienen. Der Essbereich kann als erweiterter Aufenthaltsort zum Wohnzimmer dienen.
  • Das Wohnbereich sollte ein eigenständiger Raum sein, der mit der Küche und dem Essbereich, aber auch mit der Natur in Verbindung steht. Es sollte verschiedene Bereiche umfassen, die zum Austausch, Lesen, Ausruhen oder Beobachten einladen. Darüber hinaus sollte es einen Bereich für ein Pflegebett bieten, damit bettlägerige Personen an den Aktivitäten der Wohngemeinschaft teilnehmen können.
  • Den Gemeinschaftsräumen sollte mindestens eine Toilette zugeordnet werden, die sowohl von Besuchenden als auch von Bewohnenden im Rollstuhl genutzt werden kann.
  • Der Korridor verbindet die verschiedenen Räumen der Wohngemeinschaft miteinander und ermöglicht einen Einblick in das dortige Geschehen.
  • In jedem Raum sorgt eine optimierte Akustik dafür, dass der Geräuschpegel möglichst niedrig gehalten wird. Das fördert die Teilnahme am sozialen Leben und das Wohlbefinden der Gruppe.

Individualräume

Die Bewohnerzimmer können individuell eingerichtet werden und bieten den Personen Privatsphäre. Ein Sanitärraum ist direkt im Verbindung mit dem Zimmer. Ein Stauraum am Eingang bietet ausreichend Platz für die Winter- und Sommergarderobe sowie für zusätzliche Hilfsmittel, beispielsweise einen zweiten Rollstuhl.

Aussenbereiche

Die Gestaltung der Aussenbereiche fördert soziale Kontakte und körperliche Aktivitäten.

  • Terrassen und Balkone dienen als Raum, der die Kommunikation und soziale Teilhabe fördert, indem er spontane Begegnungen ermöglicht. Die Bewohnenden können dort ohne fremde Hilfe oder grosse Anstrengung die Sonne und die frische Luft geniessen, das öffentliche Leben beobachten oder sich um die Pflanzen kümmern.
  • Ein Garten fördert durch das Gärtnern die Eigeninitiative und trainiert die kognitiven Fähigkeiten, während die Personen einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und damit ihre Selbstständigkeit erkunden.
  • Der Garten kann mit einem Sinnespfad bieten, der die Sinne anregt und insbesondere den Alterungsprozess verlangsamt.

Gemeinschaftliche Nebenräume

Grosszügige Nebenräume erleichtern die funktionellen Abläufe auch bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Personen.

  • Ein Pflegebad sollte als Wohlfühlraum konzipiert und mit einem Vorraum ausgestattet sein, der als Sichtschutz zum Flur dient. Um optimale Bedingungen für die Pflegeleistungen zu bieten, steht die Wanne frei im Raum und der Duschbereich ist ausreichend dimensioniert. Diese Massnahmen erleichtern den Transfer, die Pflege und ein Liegen in der Dusche. 
  • Die Bewohnenden können die Waschküche und den Trockenraum selbstständig nutzen. Beide Räume sind so dimensioniert, dass vor den Geräten ausreichende Manövrierfläche, sowie Arbeitsflächen zum Zusammenlegen der Wäsche und Ablageflächen für Waschmittel vorhanden sind..
  • Separate Abstellräume und Reduits sind in ausreichender Anzahl und Grösse für die Lagerung von sauberer Wäsche, Ersatzhilfsmitteln und Reinigungsmitteln vorhanden.

Personalräume

Für institutionell geführte Wohngemeinschaften sind zusätzlich Büros und Arbeitsräume, ein Beratungsraum, ein Lagerraum und mind. ein WC für das Personal zu planen.

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