Fussweg durch Siedlung
Hindernisfreie Wohnbauten sind attraktiv, zeitgemäss und nachhaltig. Die Wohnungen sind besuchsgeeignet und bei Bedarf an individuelle Bedürfnisse anpassbar. Grössere Wohnbauten müssen dies per Gesetz erfüllen.

Die Bauvorschriften der Kantone regeln welche Wohnbauten bei Neubau und Umbau hindernisfrei und anpassbar erstellt werden müssen.

Im Minimum sind entsprechend des Behindertengleichstellungsgesetzes BehiG bei mehr als 8 Wohneinheiten die Zugänge bis zu allen Wohnungen hindernisfrei, d.h. mit einem normkonformen Lift, zu erschliessen. In den meisten Kantonen sind schon bei kleineren Wohnbauten Massnahmen zu erfüllen und muss auch die Anpassbarkeit des Wohnungsinneren und der Nebenräume gewährleistet werden. Dies entspricht dem Konzept des «Anpassbaren Wohnungsbaus», das die Fachstelle in den 90er Jahren entwickelt hat.

Neben der gesetzlichen Vorgabe kann selbstverständlich auch die Bauherrschaft aus sozioökonomischen Gründen eine hindernisfreie Bauweise festlegen. Eine annähernde Chancengleichheit bei der Wohnungssuche ergibt sich erst, wenn möglichst alle Wohnungen hindernisfrei zugänglich und anpassbar sind.

Nennen kantonales Gesetz oder die Bauherrschaft die Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» als Planungsgrundlage für ein Gebäude mit Wohnungen, ergeben sich nachfolgende drei Grundsätze (Ziffer 1.3.3.1):

  1. Rollstuhlgerechte Erreichbarkeit der Wohnungen
    Die minimalen Anforderungen für den Zugang mit einem Rollstuhl von der Grundstücksgrenze bis zur Wohnungstüre regelt die Norm unter Ziffer 9. Detailliertere Angaben zu den notwendigen Massnahmen finden Sie in den Beiträgen «Erreichbarkeit der Wohnungen», «Zugangswege und Aussenanlagen im Wohnungsbau» und «Hauseingangsbereich von Wohnbauten» beschrieben.
  2. Eignung der Wohnungen für alle Besucher
    Die «Besuchseignung» ergibt sich aus der rollstuhlgerechten Erreichbarkeit der Wohnung (Ziffer 9). Zusätzlich sind minimale Anforderungen an einen besuchsgerechten Toilettenraum, bei mehrgeschossigen Wohnungen an die Erreichbarkeit des Wohngeschosses in Ziffer 9 und 10 festgelegt. Sie ergeben die Möglichkeit, jeden Besucher (Freund, Mutter, Kind) zu empfangen, auch wenn dieser für den Zugang allenfalls die Hilfe Dritter benötigt.
  3. Anpassbarkeit des Wohnungsinneren
    Unter Ziffer 10 beschreibt die Norm die minimalen Anforderungen an das Wohnungsinnere. Werden diese erfüllt, sind alle Vorraussetzungen gegeben, um eine Wohnung «mit geringem baulichem Aufwand nachträglich an die persönlichen Bedürfnisse eines Bewohners anpassen zu können» (Begriffsklärung SIA 500, Ziff. 1.2). Details sind im Beitrag «Anpassbarkeit des Wohnungsinneren» aufgeführt.

Hindernisfreie Wohnbauten mit anpassbaren Wohnungen sind die nachhaltigste Bauweise in einer Gesellschaft, deren Individuen natürlicherweise älter werden, sich vorübergehend oder dauerhaft mit Einschränkungen bewegen und so selbständig wie möglich leben wollen. Diese Bauweise reagiert intelligent, indem sie alle absolut unüberwindbaren Barrieren im Vorfeld verhindert und eine individuelle Anpassung ermöglicht.

Lesen Sie mehr im Beitrag «Anpassbarer Wohnungsbau».
Illustrationen und konkrete Anwendungshilfen finden Sie auch in unserer
Richtlinie «Wohnungsbau hindernisfrei – anpassbar».

Abgrenzung zu Bauten mit erhöhten Anforderungen

Für spezifische Wohnnutzungen, wie z.B. Alterswohnungen, Wohn- oder Pflegeeinrichtungen sind weitergehende Anforderungen zu erfüllen, die dem jeweiligen Zweck entsprechen und mit Besteller und Betreiber genau bestimmt werden müssen. Die Anforderungen nach Norm SIA 500 Kategorie II Wohnbauten genügen nicht (Ziff. 0.1.5 und 1.3.3.2).

«Altersgerechte Wohnbauten» werden im Unterschied zum anpassbaren Wohnungsbau bereits zu Beginn mit bestimmten Hilfsmitteln ausgestattet und haben im Unterschied zu Pflegeeinrichtungen eine möglichst grosse Selbständigkeit der Bewohnenden zum Ziel. Als Planungsgrundlage empfehlen wir die Richtlinien «Altersgerechte Wohnbauten» zu verwenden. Sie sind für die Projektierung und den Bau von Wohnbauten und Einrichtungen anzuwenden und gelten als anerkannter Planungsstandard.

Für mit Bundeshilfe geförderte, altersgerecht gestaltete Wohnbauten werden die Anforderungen vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) im Merkblatt «Gestaltung von altersgerechten Wohnbauten» festgelegt.

Abgrenzung zu Studentenunterkünften

Studentenunterkünfte sind sinngemäss wie ein Beherbergungsbetrieb zu behandeln (Ziffer A.7.1). Damit wird gewährleistet, dass ein angemessener Teil der Wohneinheiten einen rollstuhlgerechten Sanitärraum und ausreichend Bewegungsfläche bietet. Eine individuelle Anpassung der Wohneinheit wäre für die zeitlich begrenzte Nutzungsdauer wirtschaftlich nicht zumutbar. Im Vergleich zu Beherbergungsbetrieben ergeben sich aus der Nutzung selber weitere Anforderung an Flächen für Aufenthalt, Abstellräume und Kochgelegenheiten.

 

Stand 07.11.2022

      Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen.