Der Besuch von Wohnungen muss für alle Menschen, auch im Alter oder mit einer Behinderung, möglich sein, um diese nicht aus der Gesellschaft auszugrenzen.

Unter Ziffer 1.3.3.1 nennt die SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» die «Eignung der Wohnung für Besucher, allenfalls mit Hilfe Dritter» als einen von drei Punkten des Konzeptes für «Bauten mit Wohnungen».
Wohnungen, die auch für Besucher im Rollstuhl nutzbar sind, erfüllen schon einen Grossteil der Anforderungen, die erforderlich sind, um sie im Bedarfsfall individuell und ohne grossen Aufwand anpassen zu können.

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Erreichbarkeit der Wohnung, sind für die Besuchseignung der Wohnung auch im Inneren minimale Anforderungen an Stufenlosigkeit, Bewegungsfläche und Durchgangsbreiten gemäss Norm wie folgt zu erfüllen.

Bewegungsflächen

  • Alle Nutzflächen innerhalb der Wohnung müssen  stufenlos und absatzlos sein (Ziff. 10.1.1).
  • Türen, Fenstertüren und Durchgänge brauchen eine lichte Breite von mindestens 0.80 m (Ziff. 9.2.1, 10.1.1, Korrigenda C3) und sind möglichst absatzlos auszubilden (Ziff. 9.2.2, 10.1.1, Korrigenda C3).
  • Wege und Korridore benötigen in ihrer Breite ein lichtes Mass von mindestens 1.20 m (Ziff. 9.3.1, 10.1.1, Korrigenda C3). Geringere Breiten zwischen 1.00 m und 1.20 m sind bedingt zulässig, siehe Beitrag «Korridore, Flure und Wege». Die nutzbare Breite von geradläufigen Durchgängen ohne seitliche Abgänge beträgt mindestens 1.00 m (Ziff. 10.1.1, Korrigenda C3).
  • Korridore benötigen mindestens eine Wendefläche von 1.40 m x 1.70 m (Ziff. 9.3.3, Ziff. 10.1.1, Korrigenda C3).
  • Balkone, Terrassen und Aussensitzplätze müssen auch für Besucher zugänglich sein. Balkon- und Terrassentüren brauchen eine Mindestdurchgangsbreite von 0.80 m (Ziff. 9.2.1) und sind vorzugsweise ohne Absatz auszubilden (Ziffer. 9.2.2). Bei unausweichlichen konstruktiven Gründen sind Schwellen bis max. 25 mm über Innen- und Aussenboden zulässig (Ziff. 10.1.3 und Auslegung SIA 500, 2018, A24). Beispiele siehe Merkblatt 031 «Fenstertürschwellen».

Sanitär

  • WC in Wohnungen / WC dans les logementsPro Wohnung muss es mindestens ein Klosettbecken mit einer Freifläche von mindestens 0.80 x 1.20 m vor dem Becken geben. Diese Freifläche kann sowohl längs als auch quer zum Becken vorgesehen werden und darf sogar bei geöffneter Türe aus dem Raum herausragen. Die Raumbreite (Fertigmass) darf in keiner Richtung 1.20 m unterschreiten  (Ziff. 10.2.2).
    Vorzugsweise ist dieses Klosett in einem nach Norm als anpassbar geltenden Bad mit minimaler Nutzfläche von 3.80 m2 oder Duschbad mit 3.60 m2 integriert (Ziff. 10.2.2, 10.2.1, Korrigenda C3), siehe hierzu Beitrag «Sanitärraume im Wohnungsbau». Es ist aber auch als separater Toilettenraum (mit Minimalbreite und Minimallänge von 1.20 m) ausführbar.
  • Bei mehrgeschossigen Wohnungen muss das Wohngeschoss in jedem Fall über ein solches Klosettbecken verfügen (Ziff. 10.2.3). Das Wohngeschoss beinhaltet mindestens einen Wohnraum, die Küche und ein WC (Ziff. 9.1.4, Korrigenda C3).
  • Drehflügeltüren zu diesen Räumen sollten vorzugsweise nach aussen öffnen (Ziff. 10.2.4).

Mehrgeschossige Wohnungen

  • Bei Wohnungen mit unterschiedlichen Niveaus (Split-Level, Maisonette, …) muss das Wohngeschoss stufenlos erschlossen sein (Ziff. 9.1.4).
  • Das Wohngeschoss beinhaltet mindestens einen Wohnraum, die Küche und einen besuchsgeeigneten Klosettraum (Ziff. 9.1.4, Korrigenda C3).
  • Der besuchsgeeignete Klosettraum ist vorzugsweise Teil einer der oben genannten Sanitärräume, ist aber auch als separater Toilettenraum ausführbar (Ziff. 10.2.2).

 

Stand 25.07.2019

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2018

Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A24: Ausgänge auf Terrassen, Balkone, Sitzplätze