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Fussweg durch Siedlung
Bauten mit Wohnungen sind sinnvollerweise hindernisfrei und anpassbar zu gestalten. Ob Wohnungen entsprechend gestaltet werden müssen, wird entweder von der Bauherrschaft vorgegeben oder ist aufgrund gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Als bestes Lösungskonzept, um ausreichend Wohnraum für Menschen mit Behinderungen und im Alter zur Verfügung zu haben, hat sich der «anpassbare Wohnungsbau» erwiesen.

Das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz BehiG regelt die Gleichstellung im Baubereich für die ganze Schweiz und fordert für Bauten mit Wohnungen im Sinne der Gleichstellung die rollstuhlgerechte Erreichbarkeit der Wohnungen. Dies gilt für Gebäude mit einer Anzahl von 9 Wohneinheiten und mehr für alle Wohnungen des Gebäudes.

Ob auch Häuser mit einer geringeren Anzahl Wohnungen bis zu allen Wohnungen rollstuhlgerecht erschlossen sein müssen, sowie innerhalb der Wohnungen hindernisfrei und anpassbar zu erstellen sind, ist in den jeweiligen kantonalen Bauvorschriften festgelegt. Das Bundesgesetz ergänzend bilden die kantonalen Bauvorschriften die entsprechenden kantonalen Ausführungsbestimmungen zu den Gleichstellungsgrundsätzlichen im BehiG.

Nennt das kantonale Gesetz die Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» als Planungsgrundlage, ergeben sich nachfolgende drei Grundsätze für Bauten mit Wohnungen (Ziffer 1.3.3.1):

  1. Rollstuhlgerechte Erreichbarkeit der Wohnungen
    Die notwendigen, minimalen Anforderungen erläutert die Norm unter Ziffer 9. Hier geht es um die Zugänglichkeit bis zur Wohnung für eine Person im Rollstuhl, von der Haus- bis zur Wohnungstüre. Dies ist in den Beiträgen «Erreichbarkeit der Wohnungen», «Zugangswege und Aussenanlagen im Wohnungsbau» und «Eingangsbereich im Wohnungsbau» beschrieben.
  2. Anpassbarkeit des Wohnungsinneren
    Die minimalen Anforderungen an das Wohnungsinneren beschreibt die Norm unter Ziffer 10. Sie bilden die Basis für die Anpassbarkeit der Wohnung an die persönlichen Bedürfnisse des Bewohners.
    Der Begriff «Anpassbarkeit» meint die Erfüllung der Voraussetzungen, die es braucht, um «bedarfsgerechte nachträgliche Anpassung an individuelle Bedürfnisse» auszuführen, «mit geringem baulichem Aufwand» (Begriffsklärung der SIA 500, Ziffer 1.1). Weitere Details sind im Beitrag «Anpassbarkeit des Wohnungsinneren» zu lesen.
  3. Eignung der Wohnungen für alle Besucher
    allenfalls mit Hilfe Dritter
    Die minimalen Anforderungen für eine Besuchseignung finden sich in Ziffer 9 und 10. Sie ergeben die Möglichkeit, jeden Besucher zu empfangen, auch wenn dieser dafür Hilfe benötigt. Weitere Details sind im Beitrag «Eignung der Wohnungen für alle Besucher» zu lesen.

Für diese drei Basis-Anforderungen des anpassbaren Wohnungsbaus sind drei Grundregeln zu beachten, die die Erschließung und Besuchbarkeit der Wohnung im Rollstuhl ermöglichen. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, dass im Bedarfsfall kann eine solche Wohnung nachträglich durch einfache bauliche Massnahmen an individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann:

  1. Keine Stufen (vertikale Barrieren)
  2. Ausreichende Durchgangsbreite (horizontale Barrieren)
  3. Ausreichende Bewegungsfläche (räumliche Hindernisse)

Informationen und Illustrationen zum hindernisfreien Wohnungsbau finden Sie auch in unserer Richtlinie «Wohnungsbau hindernisfrei – anpassbar».

In die durch die Norm SIA 500 definierte Kategorie II gehören alle zur Wohnnutzung bestimmte Bauten, mit Ausnahme von Bauten mit spezifischen Wohnnutzungen, wie z.B. Alterswohnungen oder Wohnheime für ältere oder pflegebedürftige Menschen. Für diese Bauten sind weitergehende Anforderungen zu erfüllen, die dem jeweiligen Zweck entsprechen und mit dem Bauherr genau bestimmt werden müssen (Ziff. 1.3.3.2).
Bauten, die zur Pflege und Betreuung von Personen bestimmt sind, haben abhängig von der jeweiligen Funktion der Einrichtung und der Bedürfnisse der Bewohner und Arbeitnehmer sehr spezifische Anforderungen zu erfüllen, die von der Norm SIA 500 nicht abgedeckt werden können (Ziffer 0.1.5).

Mit Bundeshilfe geförderten, altersgerecht gestalteten Wohnbauten

Im Merkblatt «Gestaltung von altersgerechten Wohnbauten» vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) ist folgendes festgelegt: «Für mit Bundeshilfe geförderte, altersgerecht geplante Wohnbauten gelten die Anforderungen gemäss den Kapiteln 9 und 10 der Norm SIA 500, wobei auch die mit „vorzugsweise“ umschriebenen Anforderungen zwingend erfüllt werden müssen. Mit „bedingt zulässig“ gekennzeichnete Anforderungen sind nicht zulässig».

 

Stand 26.03.2018

      Bauten mit Wohnungen: Altersgerechte Wohnungen und Anpassbare Wohnungen. horizontale Erschliessung --- Raumdimensionen: Erschliessung — Grundsätze. Planungsvorgaben: Normen und Vorgaben / Standards.