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rollstuhlgerechtes, reserviertes Parkfeld
Das Auto ist für viele Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer ein unerlässliches Hilfsmittel. Bei Bedarf muss im anpassbaren Wohnungsbau mindestens ein reserviertes, rollstuhlgerechtes Parkfeld geschaffen werden können.

Die SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» nennt unter Ziffer 9.7 die minimalen Anforderungen an Parkplätze in Wohnbauten. Sie macht Vorgaben zur Dimensionierung, Anzahl, zum Zugang und zur Anpassbarkeit eines rollstuhlgerechten Parkfeldes.

Im Bedarfsfall muss mindestens ein reserviertes, rollstuhlgerechtes Parkfeld bereitgestellt werden können. Die entsprechenden Vorraussetzungen sind bereits in der Planung vorzusehen.

Anzahl rollstuhlgerechter Parkplätze

Pro Parkplatzstandort

  • Für Bewohner (Ziff. 9.7.2 und Auslegung SIA 500, 2018, A23):
    – Im Minimum einer; bei Bedarf bereitstellbar
    – Regel: pro 25 Wohnungen je einer;
    – bei Bedarf bereitstellbar
  • Für Besucher (Ziff. 9.7.3, Korrigenda C3):
    Pro Parkplatzstandort min. einer; in maximaler Gehdistanz von 100 m zum Hauseingang

Anforderungen

  • Bodenfläche:
    Eben, stufen- und schwellenlos (Ziff. 9.1.1 und 9.7.1)
    Offene Fugen: min 10 mm
    – Breitere Fugen: vollflächig, eben und dauerhaft ausgefugt (Ziff. 3.2.7 und Anhang B.2)
  • Bodenbeläge: «Gut geeigneter» Belag für Gleitsicherheit und das Befahren mit einem Rollstuhl, auch bei nassem oder verschmutztem Zustand (Ziff. 9.7.1 und Anhang B). Siehe Artikel «Eignung von Bodenbelägen»
  • Gefälle: Max. 2% (Ziff. 9.7.1)

    Empfehlung 
    Parkfelder für Behinderte möglichst ohne Gefälle erstellen, damit Gehhilfe und Rollstuhl nicht fortrollen.

  • Schräg- und Senkrechtparkierung (Ziff. 9.7.1):
    – Parkfeldbreite min. 3.50 m rechtwinkelig zur seitlichen Begrenzung gemessen.
    – Rollstuhlgerechte Parkplätze sind vorzugsweise nicht seitlich an angrenzende Bauteile, wie z.B. Wände, Stützen, Abschrankungen, usw. anzuordnen und so zu disponieren, dass sie nicht benachteiligend wirken. Ist dies nicht möglich, muss der zusätzliche Abstand zwischen Parkfeld und Wand, Stütze oder Abschrankung und dgl. gemäss Norm SN 640291a eingehalten werden (Auslegung zur Norm SIA 500, A18, Dezember 2018).

  • Längsparkierung (Ziff. 9.7.1):
    – Parkfeldlänge min. 8.0 m
    – mit einer absatzfreien, anschliessende Fläche von ≥ 1.40 m Breite auf der linken Seite des Parkfeldes, in Fahrtrichtung gesehen 
  • Anordnung (Ziff. 9.7.1):
    – Möglichst kurzer Weg zum rollstuhlgerechten Gebäudezugang
    (Richtwert für Besucherparkplätze: max. 100 m, Ziff. 9.7.3)
    Vorzugsweise witterungsgeschützt
    – Vorzugsweise seitlich nicht an angrenzende Bauteile, wie z.B. Wände, Stützen, Abschrankungen usw. anordnen. Die Benutzung von rollstuhlgerechten Parkplätzen sollte nicht benachteiligend wirken. Ist dies nicht möglich, muss der zusätzliche Abstand zwischen Parkplatz und Bauteilen gemäss Norm SN 640 291a eingehalten werden (Auslegung SIA 500, 2018, A18).

Hinweis
Folgende Voraussetzungen ermöglichen die nachträgliche Schaffung eines rollstuhlgerechten Parkplatzes:

  • Ein Parkplatz ist so angelegt, dass der zusätzliche Platzbedarf von 1.20 m mit einem Fussgängerbereich überlappt.
  •  Drei normalbreite Parkfelder können in zwei breitere, rollstuhlgerechte umgewandelt werden.
  • Der Vorplatzbereich in der Nähe des Hauseingangs bietet Raum und Möglichkeit, nachträglich ein solchen Parkplatz zu erstellen.

Zugang zum rollstuhlgerechten Parkplatz

Der Zugang sollte ebenso wie das Parkfeld witterungsgeschützt sein, sodass auch bei Regen und grossen Schneemengen der Zugang zum Parkplatz gewährleistet ist. Für viele Betroffene ist eine witterungsgeschütze Verbindung aus Sicherheitsgründen unerlässlich.

  • Verbindung zwischen Parkplatz und Wohnung (Ziff. 9.1.1 und 9.7.1):
    rollstuhlgängig,
    stufenlos
    möglichst kurzer Weg
    vorzugsweise witterungsgeschützt
  • Gefälle (Ziff. 9.1.2):
    Die Norm SIA 500 erlaubt eine Rampe zwischen Parkierungsanlage und Treppenhaus bzw. Aufzug von max. 6%.

 

Empfehlung
Wo immer möglich auf Gefälle verzichten.

  • Nutzbare Weg- und Korridorbreite: min. 1.20 m (Ziff. 9.3.1)
  • Nutzbare Tür- und Durchgangsbreite: min. 0.80 m (Ziff. 9.2.1)
  • Freifläche vor stets geschlossenen Türen (Ziff. 9.2.3):
    neben dem Schwenkbereich eines manuell bedienten Türflügels ≥ 0.60 m (Ziff. 9.2.3), damit ein Rollstuhlfahrer zum Öffnen neben die Tür fahren kann.

Parkplätze im Stockwerkeigentum

Bei Eigentumswohnungen empfiehlt es sich, zur Sicherstellung der Verfügbarkeit eines rollstuhlgängigen Parkplatzes die Parkplatzzuordnung über einen Grundbucheintrag zu regeln (Auslegung SIA 500, 2018, A23).

Die rollstuhlgängigen Parkplätze auf dem Grundstück sind dauernd zu erhalten und bei Bedarf behinderten Bewohnern der Überbauung zur Verfügung zu stellen, entweder indem der Behindertenparkplatz gegen einen anderen Parkplatz abgetauscht oder gegen Entgelt vermietet wird.

Sicherstellung der Verfügbarkeit
Zum Abtausch des Parkplatzes bei Bedarf muss eine Verpflichtung in Form einer öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung als Auflage in der Baubewilligung statuiert sein. Die Baubewilligung (BRE) ist die erforderliche rechtsgültig unterzeichnete Verfügung der dafür zuständigen Behörde, um eine Verpflichtung als öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung im Grundbuch anmerken zu können.

Die Anmerkung der Verpflichtung im Grundbuch, sichert auch nach Eigentümerwechsel einer Wohnung den weiteren Bestand der Verpflichtung.

Die Anmerkung einer Verpflichtung in Form einer öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung im Grundbuch ist nicht möglich, wenn es sich um eine private Verpflichtung handelt (unabhängig von einem Baubewilligungsverfahren). Dann muss stattdessen eine Dienstbarkeit begründet werden.

Da es sich um eine Einschränkung hinsichtlich der Nutzung, Verwaltung und Veräusserung eines Parkplatzes handelt, ist es auch möglich, die Nutzungsordnung für die Tiefgarage um eine entsprechende Klausel zu ergänzen. Diese ist für alle Beteiligten verbindlich (Art. 649a ZGB). Die Ergänzung der Nutzungsordnung muss aber aus dem Grundbuch ersichtlich sein und ist dazu bei bereits bestehenden Anmerkungen zur Nutzungsordnung anzufügen.

Beispiel für Reglung in der Baubewilligung
(Formulierung für Baurechtlichen Entscheid, BRE)

Erwägung:
Die rollstuhlgängigen Parkplätze auf dem Grundstück sind dauernd zu erhalten und bei Bedarf behinderten Bewohnern der Überbauung zur Verfügung zu stellen, entweder indem der rollstuhlgängige Parkplatz gegen einen anderen Parkplatz abgetauscht oder gegen Entgelt vermietet wird, was im Grundbuch anzumerken ist.

Dispositiv:
Bis spätestens vor Baubeginn hat die Bauherrschaft bzw. verfügungsberechtigte Grundeigentümerschaft die nachfolgende Verpflichtung als öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung im Grundbuch anmerken zu lassen und hierüber dem Hochbauamt ein Zeugnis des Grundbuchamtes einzureichen: «Der rollstuhlgängige Parkplatz Nr. xx in der Tiefgarage ist dauernd zu erhalten und bei Bedarf behinderten Bewohnern der Überbauung gegen Entgelt/durch Abtausch zur Verfügung zu stellen.»

 

Stand 25.07.2019

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2018

Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A18: Anordnung des rollstuhlgerechten Parkplatz
– Auslegung A23: Rollstuhlgerechte Parkplätze bei Eigentumswohnungen

Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen, Ferienwohnungen und Studentenunterkünfte. Räume --- Nutzungen: Parkierung. Planungsvorgaben: Empfehlungen Fachstelle und Vorgaben / Standards.
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