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Symbolbild: Alltagssituation mit Fussgänger, Rollator und Rollstuhl vor einem Alterszentrum mit Grünanlage und Caféteria
Spezialbauten müssen spezifische, hohe Anforderungen erfüllen, weil sie zur vorrangigen Nutzung durch Menschen im Alter, mit einer Behinderung sowie zur Pflege und Betreuung bestimmt sind.

Unter dem Begriff Spezialbauten einen sich Bauten wie, unter anderem, Spitäler/Reha-Einrichtungen, Alters-/Pflegezentren, Pflegewohngruppen, altersgerechte Wohnungen, Sonderschulen/geschützte Werkstätten.

Spezialbauten haben abhängig von der Funktion der jeweiligen Einrichtung, d.h. abhängig von internen Arbeitsabläufen und Bedürfnissen der Bewohner und Arbeitnehmer, sehr spezielle Anforderungen zu erfüllen. Sie müssen von Auftraggeber, Betriebsleitung, Personal und Nutzern je nach Betriebskonzept festgelegt werden und sind somit an das Nutzungsprofil anzupassen.

Die Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» kann die spezifischen Anforderungen eines Spezialbaus weder hinreichend noch abschliessend abdecken. Sie kann allenfalls als Orientierungshilfe dienen und verweist darauf, die weitergehenden nutzungsabhängigen Anforderungen vorrangig zu beachten und zu erfüllen. Die Gebäudeteile, die öffentlich zugänglich sind, müssen jedoch die Anforderungen der Norm SIA 500 erfüllen (Ziff. 0.1.5 und 1.3.3.2).

Einzelne Kantone haben Richtraumprogramme oder Leitlinien für gute Praxis für die Planung solcher Gebäudetypen. Ob ein Richtraumprogramme oder Leitlinien für gute Praxis in jeweiligem Kanton vorhanden sind, ist mit den zuständigen, kantonalen oder kommunalen Behörden abzuklären.

Übersicht über Anforderungsprofile nach Nutzungskategorien

Beim hindernisfreien Bauen unterscheiden sich die Zielsetzungen nach fünf Nutzungskategorien mit verschiedenen Anforderungsprofilen.

Nutzungskategorie Anforderungsprofil
1. Bauten mit Publikumsverkehr – allgemeingültige, standardisierte Minimal-Forderungen
– generelle Hindernisfreiheit
2. Wohnbauten – hindernisfrei und besuchsgeeignet
– individuell anpassbar
3. Bauten mit Arbeitsplätzen – Kundenbereich besuchsgeeignet
– Arbeitsbereich anpassbar
4. Spezialbauten mit besonderen
    Anforderungen
– erhöhte spezifische Anforderungen
– optimal behinderten- oder altersgerecht entsprechend der Sondernutzung
5. Individuelle Anpassungen – nicht normiert
– individuell und situationsgerecht massgeschneidert

 

Anforderungsprofil von Spezialbauten

Zur optimalen Benutzbarkeit durch behinderte, ältere oder pflegebedürftige Menschen muss ein Gebäude in jedem Fall rollstuhlgängig sein. Mit Einhaltung räumlicher Anforderungen aus der Norm SIA 500 (z.B. Manövrierflächen und spezifische Durchgangsmasse) lässt sich bereits eine allgemeine, minimale Rollstuhlgängigkeit erfüllen. Diese dient Rollstuhlfahrern, Menschen mit Rollator, mit Unterarm-Gehstützen oder mit Assistenzpersonen gleichermassen. Die notwendigen weiterführenden, zweckgebundenen Anforderungen sind für Spezialbauten optimal auf den jeweiligen Nutzungszweck des Gebäudes mit den Nutzern, dem Personal, der Betriebsleitung und den Bauherren abzustimmen.

Entnehmen Sie unserem Merkblatt 065 «Spezialbauten» detaillierte Informationen zu diesem Thema. Das Merkblatt führt einige grundlegende Überlegungen zum erhöhten Raumbedarf für unterschiedliche Hilfsmittel, Pflegesituationen und Raumfunktionen sowie zu baulichen Elementen und Bedienelementen auf, welche je nach Nutzungszweck des Gebäudes bei der Festlegung der erhöhten Anforderungen beigezogen werden können. Empfehlungen zu Tischgestaltung und Platzbedarf bei Möblierung mit Tischen finden Sie in unserem Merkblatt 035 «Möblierung mit Tischen».

Der Beitrag «Bauten mit Wohnungen» erläutert die Grundprinzipien und den Geltungsbereich der Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» für allgemeine Wohnbauten.

Generelle Informationen zu altersgerechten Wohnbauten finden Sie in den Beitrag «Altersgerechte Wohnbauten». Für detaillierte Informationen  zu altersgerechten Wohnbauten empfehlen wir die Richtlinien «Altersgerechte Wohnbauten». Sie gelten für die Projektierung und den Bau von Alterswohnungen und generell für die Planung von Wohnbauten und Einrichtungen, in denen vor allem ältere Menschen und Menschen mit Behinderung leben werden. Im Unterschied zu Pflegeeinrichtungen haben altersgerechte Wohnbauten eine möglichst grosse Selbständigkeit der Bewohner zum Ziel. Diese Richtlinien haben sich zu einem anerkannten Planungsstandard entwickelt. 

Für die Dimensionierung und Ausstattung von Duschräumen sind die Masse und Angaben gemäss des aktuellen Merkblatts 011 «Duschräume mit WC» richtungsweisend. Wo keine anderen Vorgaben vorliegen, empfehlen wir die Ausführung des im Merkblatt beschrieben Grundriss-Typs B-2 «Duschräume mit erhöhter Nutzungsqualität».

Gebäude, die vornehmlich durch ältere und sehbehinderte Menschen genutzt oder bewohnt werden, haben hohe Anforderungen an die Beleuchtung zu erfüllen. Hier sind die Richtlinien SLG 104 «Alters- und sehbehindertengerechte Beleuchtung im Innenraum» zu beachten. Die Vorgaben der SIA 500 betreffend Beleuchtung sind für Bauten mit erhöhten Anforderungen nicht ausreichend (Ziff. 0.1.5). Grundlegende Angaben zu hindernisfreier Beleuchtung können Sie unserem Beitrag «Beleuchtung» entnehmen.

Neben einer optimalen Beleuchtung sind in Gebäuden für ältere und sehbehinderte Menschen gute Kontraste eine Voraussetzung, um reduziertes Sehvermögen gut einsetzen zu können. Die Norm SIA 500 regelt unter Ziffer 4.3 bei welchen Gebäudeteilen Kontraste welcher Prioritätsstufe eingesetzt werden müssen und definiert diese. Informationen zur Bestimmung der Kontraste finden sich in Anhang D.2 der Norm. Unser Beitrag «Visueller Kontrast» erläutert diese Minimalanforderungen. Die Richtlinien zur Planung und Bestimmung visueller Kontraste der Schweizer Fachstelle geben weitere hilfreiche Informationen für die Planung.

 

Um die Suche nach dem passenden Berater zu vereinfachen, stellt CURAVIVA.ch eine Beraternetzwerk-Broschüre zur Verfügung. Im Beraternetzwerk werden grundsätzlich nur Unternehmen mit reiner Beratungsleistung aufgenommen.

 

Stand 29.04.2020