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Türbedienung
Türen müssen Durchgang für Menschen im Rollstuhl, mit Gehstöcken und Rollator gewährleisten, wobei Augenmerk auf die Manövrierfläche, die Durchgangsbreite und die Türschwelle zu richten ist

Die Anforderungen, welche die SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» in den Kapiteln 9 «Erschliessung bis zu den Wohnungen» und 10 «Wohnungen und Nebenräume» für Türen und Durchgänge in Wohnbauten nennt, betreffen die lichte Durchgangsbreite, die Manövriermöglichkeit bei Türen und Durchgängen, die Bedienbarkeit und den unteren Abschluss, sprich der Türschwelle.

Breite

Gemäss Norm SIA 343 «Türen und Toren» ist die minimale nutzbare Breite einer Türe die effektive Lichtbreite, die durch den einstehenden Türflügel oder etwas anderes nicht verringert werden darf.

Die minimale nutzbare Breite beträgt:

  • 0.80 m für Türen (Ziff. 9.2.1)
  • 0.80 m für gerade Durchgängen mit einer Länge bis max. 0.60 m
  • 1.20 m für Korridore und Wege (Ziff. 9.3.2)
  • reduzierte Breite von 1.00 m für gerade Korridore ohne seitliche Abgänge (Ziff. 9.3.2, Korrigenda C3)
  • nur bedingt zulässig: reduzierte Breite von 1.00 bis 1.20 m für Korridore mit seitlichen Abgängen (Ziff. 9.3.2, Korrigenda C3)

Sollte ein Korridor die nutzbare Mindestbreite von 1.20 m unterschreiten, müssen seitlich angeordnete Türen und Durchgänge diese Massunterschreitung gemäss folgender Formel kompensieren (Ziff. 9.3.2):

 

Nutzbare Tür- oder Durchgangsbreite x + Korridorbreite y  ≥ 2.0 m

Schwellen und Absätze

Türen und Durchgänge sind vorzugsweise ohne Absätze auszubilden.
Ein einseitiger Absatz von max. 25 mm oder eine flachgewölbte Deckschienen wäre zulässig (Ziff. 9.2.2).

Ausgänge zu Balkonen, Terrassen und Aussensitzplätzen sind ebenfalls vorzugsweise ohne Absätze auszubilden (Auslegungen zur SIA 500, 2018, A24).

  • Aufgrund von unausweichlich konstruktiven Gründen sind hier Schwellen bis zu 25 mm Höhe über dem Innen- und Aussenboden zulässig. Ein höherer Absatz als 25 mm ist im Aussenbereich unter der Voraussetzung zulässig, dass der Boden im Aussenraum und zeitgleich die erforderliche Geländerhöhe gemäss Norm SIA 358 «Geländer und Brüstungen» angepasst werden kann (Ziff. 10.1.3 und Auslegung SIA 500, 2018, A24).
  • Ein tieferer Innenboden ist nicht zulässig, da eine nachträgliche Anpassung mit dem vorgeschrieben geringen baulichen Aufwand nicht realisierbar wäre und Rampen im Innenraum nicht zulässig sind (Auslegungen zur SIA 500, 2018, A24).

Ausführungsbeispiele sind in unserem Merkblatt 031 «Fenstertürschwellen» dargestellt.

Um die Forderung der SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» nach maximaler Schwellenhöhe von 25 mm und der Norm SIA 271 «Abdichtungen von Hochbauten» nach mindestens 6 cm Schwellenhöhe für Stauwasser zu erfüllen, sind befahrbare Gitterroste oder Ablaufrinnen eine bewährte Lösung. In der Norm SIA 271 wird in Ziffer 5.2 «Schwellenanschlüsse unter 60 mm Aufbordungshöhe über der Nutzschicht» beschrieben, mit welchen Massnahmen diese Anforderungen der Norm SIA 500 erfüllt werden kann (Auslegungen zur Norm SIA 500, 2018, A03).

Mehr Details finden Sie im Referat Schwellen und SIA 500.

Türbedienung

  • Drehflügeltüren zu Toilettenräumen sind vorzugsweise nach aussen öffnend auszubilden (Ziff. 10.2.4). Im Bedarfsfall sollten sie  mindestens umgebandet werden können.
  • Schiebetüren sind zulässig, aber nicht empfohlen, da sie für einige Menschen mit Mobilitätsbehinderung schwierig zu bedienen sind.
  • Der Öffnungswiderstand sollte möglichst gering gehalten werden. Wenn Türen mit Türschliesser ausgestattet sind, sollten sie mit einer Kraft nicht grösser als 30 N und mit einer Geschwindigkeit von ca. 1°/s (In-Bewegung-Setzen und Aufrechterhaltung der Flügelbewegung) bedienbar sein. Das Einrasten der Schlossfalle beim Schliessen der Türe kann momentan mit grösserer Kraft geschehen (Ziff. 3.3.4.2).
  • Anordnung der Türdrücker gemäss Regelung der Bedienelemente (Ziff. 9.6.1 und Auslegung SIA 500, 2018, A22):
    – Höhe: 0.80 m bis 1.10 m über Boden,
    – Freifläche: min. 0.70 m beidseitig des Türdrückers; einseitige Freifläche von 0.7 m bedingt zulässig.

    Empfehlung
    Türdrücker sollten nicht in Raumecken platziert werden, da sie dort von einem Rollstuhl aus nicht erreichbar sind.

Freiflächen vor Türen

  • TürbedienungBei einer nicht automatisierten Türe der Wohnungserschliessung, inkl. der Wohnungseingangstür, ist eine freie Fläche neben dem Türgriff auf der Seite des Schwenkbereichs erforderlich. Dies empfiehlt sich auch für die Türen innerhalb der Wohnung.
    Diese Fläche muss eine Breite x von vorzugsweise min. 0.60 m aufweisen. Wird der Türflügel 90° geöffnet, muss eine freie Länge y von min. 0.60 m vorhanden sein, so dass die Summe von x und y min. 1.20 m beträgt (Ziff. 9.2.3, Korrigenda C3).

         x + y = min. 1.20 m

    Im Fall eines Umbaus oder einer Instandsetzung ist die Reduktion von x auf bis 0.20 m zulässig solange die Formel x + y  = min. 1.20 m eingehalten wird.

  • Steht eine Türe neben einem Treppenabgang oder einer anderen Absturzgefahr, muss der Abstand zwischen der Türleibung und dem Ausstiegstritt min. 0.60 m betragen (Ziff. 9.2.4, Korrigenda C3).

Tür-Treppen / Escalier-porte 1Tür-Treppen / porte-marches 2

 

Stand 25.07.2019

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2018

Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A22: Anordnung von Klingeln und Briefkästen in Wohnbauten
– Auslegung A24: Ausgänge auf Terrassen, Balkone, Sitzplätze

Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen, Ferienwohnungen und Studentenunterkünfte. horizontale Erschliessung --- Raumdimensionen: Türen / Fenstertüren / Türbedienung. Bedienelemente --- Beschriftungen --- Orientierung: Bedienelemente. Planungsvorgaben: Vorgaben / Standards.