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Handlau Treppe
Treppen sind für gehbehinderte Bewohner und Besucher erschwerende Hindernisse. Sie benötigen vor allem ein bequemes Steigungsverhältnis und gut umgreifbare Handläufe.

Die Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» empfiehlt im Kapitel 9 «Erschliessung bis zu den Wohnungen» zur Erreichung einer gute Hindernisfreiheit, optional die spezifischen Anforderungen der Kapitel 3 bis 6 zu übernehmen (Ziff. 9.1.5). Für Treppen und Stufen betrifft dies die Ziffer 3.6., siehe dazu Beitrag «Treppen in öffentlich zugänglichen Bauten».
Anforderung an Treppen in der Wohnung umschreibt die Ziffer 10.1.2.

Ein Hauptziel des anpassbaren und besuchsgeeigneten Wohnungsbaus ist, möglichst viele Wohnungen stufenlos zu erschliessen. Dies ist grundsätzlich bei allen Wohnungen auf Ebene des Hauptzuganges anzustreben, ebenso bei allen Wohnungen, die mit einem Aufzug erschlossen sind, d.h. Treppen oder Stufen zwischen Hauseingang und Wohnungstür und zwischen Aufzug und Wohnungstür sind zu vermeiden (Ziff. 9.1.1).

Für Rollstuhlfahrende, Menschen mit Rollator, durch Unfall vorübergehend Eingeschränkte sind Treppen eine unüberwindbare Barriere. Für einige andere wie z.B. Eltern mit Kinderwagen oder mobilitätseingeschränkte Personen bedeuten sie ein erschwerendes Hindernis.
Sind Wohnungen nur über Treppen zugänglich, soll für den Bedarfsfall der nachträgliche Einbau eines Aufzugs, Hublifts oder eines Treppenlifts möglich sein (Ziff. 9.1.3). Hierzu sind ausreichende Freiflächen beim An- und Austritt vorzusehen, sowie die Treppenlaufbreite entsprechend zu dimensionieren.

Treppenlaufbreite

  • Erschliessungstreppe: min. 1.20 m (Ziff. 9.3.1)
  • Wohnungsinterne Treppe, einläufig und gerade: min. 1.0 m (Ziff. 10.1.2);
  • Wohnungsinterne Treppe, mehrläufig oder gebogen: min. 1.10 m (Ziff. 10.1.2)

Mehr zu Hebebühnen und Treppenlift im Beitrag «Hebebühnen und Treppenlifte».

Stufen

  • Bequemes Steigungsverhältnis:
    2 Steigungen à 17.5 cm + 1 Auftritt = 63 cm
  • Glatte Treppenstirn ohne Vorsprung vorsehen
  • Stufen im Aussenraum deutlich erkennbar, kontrastreich gestalten; vorzugsweise an den Vorderkanten mit Streifen von 40 bis 50 mm Breite (Ziff. 9.3.6)
  • Nutzflächen innerhalb der Wohnung müssen stufenlos sein (Ziff. 10.1.1)

Handlauf

Zur Optimierung der Hindernisfreiheit wird empfohlen, Handläufe und Brüstungen als Sturzsicherung vorzusehen (Ziff. 9.1.5); siehe Beitrag «Handläufe, Abschrankungen und Brüstungen». Angesichts der demographischen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Ziel, dass ältere Menschen möglichst lange im normalen Wohnumfeld verbleiben können, müsste dies generell im Wohnungsbau zur Selbstverständlichkeit werden (Auslegungen der SIA, 2018, A19).

  • Beidseitig angeordnet, kontrastreich vom Hintergrund abgehoben
  • Griffiger Handlauf mit ca. 4 cm Durchmesser
  • Montagehöhe: 0.85 – 0.90 m über Boden
  • Für Geh- und Sehbehinderte den Handlauf über Anfang und Ende von Treppen oder Rampen 0.30 m hinausführen.
  • Bei Podesten und Richtungsänderungen den Handlauf nicht unterbrechen.

Podest

  • Bei Podesten vor Aufzügen Abstand zwischen Schachttür und gegenüberliegenden Treppen: min. 1.40 m (Ziff. 9.5.1)
    Grafik: Manövrierfläche zwischen Schachttür und gegenüberliegendem Treppenabgang
  • Abstand zwischen Schachttür und seitlich der Schachttüre angeordneter Treppe: min. 0.60 m  (Ziff. 9.2.4 und 9.5.1)
    Weitere Informationen im Eintrag «Bewegungsflächen».
    Grafik: seitlicher Sicherheitsabstand zwischen Schachttür und Treppenabgang
  • Lange Steigungen von Treppen und Rampen im Aussenraum mit Zwischenpodesten unterbrechen (Ziff. 3.6.1.1).

Generelle Anforderungen an die Sicherheit

  • Im Treppenhaus und Erschliessungsbereich sind Unfallgefahren durch ungeschützte Auskragungen, fehlende Handläufe oder ungünstig platzierte Treppenabgänge zu vermeiden (Ziff. 9.3.4).
  • Zur Verringerung der Sturzgefahr dürfen Türen nicht zu nahe bei Treppenabgängen liegen. Minimaler Abstand zwischen Aussenkante Türleibung und Treppenabgang: 0.60 m (Ziff. 9.2.4).

Tür-Treppen / Escalier-porte 1

 

 

 

 

 

 

  • Bodenbeläge müssen gleitsicher und begehbar hinsichtlich Stolpergefahr und Trittsicherheit sein (Ziff. 9.1.1, Korrigenda C3).
    Die SIA 500 präzisiert im Anhang B «Eignung der Bodenbelägen im Neuzustand» die Anforderungen an diese Kriterien.
  • Eine übersichtliche Gestaltung der Erschliessungsbereiche, kontrastreiche Farbgestaltung und gute Beleuchtung der Treppen erleichtern sehbehinderten Besuchern oder Bewohnern die Orientierung und Nutzung.
  • Gehbehinderte benötigen ein bequemes Steigungsverhältnis und zweckdienliche Handläufe. Als Alternative zur Treppe ist, wo möglich, ein Aufzug oder eine Rampe vorzusehen. Rampen sind nur im Aussenraum und zwischen Einstellhalle und Aufzug oder Treppenhaus zulässig (Ziff. 9.1.2).

 

Weiterführende Informationen finden Sie in den Beiträgen «Treppen in öffentlich zugänglichen Bauten»,  «Handläufe, Abschrankungen und Brüstungen» und «Bewegungsflächen im Wohnungsbau».

 

Stand 25.07.2019

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2018

Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A19:
Frage zu Handläufe bei Treppen im Wohnungsbau (Kapitel 9)

 

Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen. Vertikale Erschliessung: Treppen / Stufen. Sicherheitselemente: Absicherungen / Vermeidung von Hindernissen, Geländer / Brüstungen und Handläufe. Planungsvorgaben: Vorgaben / Standards.