Merkblatt 081 «Neuroinklusive Läden»

Das Merkblatt 081 «Neuroinklusive Läden» liefert fundierte architekturpsychologische Grundlagen, um Geschäfte und Supermärkte sensorisch hindernisfrei zu gestalten.

In Läden und Einkaufszentren trifft eine enorme Fülle an sensorischen Reizen auf die Besucher:innen. Während diese Informationsflut oft unbewusst verarbeitet wird – dabei jedoch auch bei neurotypischen Menschen schleichend Stress auslösen kann –, führt sie bei Personen mit neurodivergenter Wahrnehmung oft zu massiver Überforderung. Für Menschen im Autismus-Spektrum, mit ADHS oder Hochsensibilität bedeutet die aktuelle Reizüberflutung in Supermärkten oft den faktischen Ausschluss aus diesen Räumen.

 

Im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) und der UNO-BRK besteht die Verpflichtung, nicht nur bauliche, sondern auch sensorische Hindernisse abzubauen. Das Merkblatt 081 bietet Planungsfachleuten und Ladenbetreiber:innen eine fundierte Basis, um Verkaufsflächen neuroinklusiv zu gestalten. Die Empfehlungen wurden in enger Zusammenarbeit mit der Fachkommission Neurodivergenz entwickelt, in der Expert:innen mit eigener neurodivergenter Wahrnehmung aktiv beteiligt sind.

 

Die zentralen Empfehlungen umfassen:

  • Sensorische Zonierung und Übergänge:
    Klare Trennung von lauten/aktiven und ruhigen/passiven Zonen. Übergangsräume (z. B. Windfänge als Puffer) erleichtern den Wechsel zwischen unterschiedlichen Reizzonen und ermöglichen die Vorbereitung auf den Verkaufsraum.

 

  • Räumliche Gliederung:
    Eine logische Anordnung der Verkaufsbereiche sorgt für Vorhersehbarkeit. Die Unterteilung in kleinere, überschaubare Einheiten verhindert eine visuelle Überflutung und verbessert die Orientierung.

 

  • Visuelle und akustische Ruhe:
    Verkaufsflächen konsequent in laute und leise Zonen unterteilen. Grelle Farben, komplizierte Muster und stark reflektierende Oberflächen sind ebenso zu vermeiden wie laute Hintergrundmusik und Nachhall.

 

  • Personal space einplanen (Proxemik):
    Grosszügige Gangbreiten schaffen Freiraum und vermeiden ein Gefühl der Beengtheit. Enge, lange Regalzonen ohne Ausweichmöglichkeiten sind zu vermeiden. Selbstbedienungskassen sind mit ausreichendem Abstand und trennenden Elementen anzuordnen.

 

  • Rückzugsorte und Alternativen:
    Ruhige Nischen und Ausweichzonen bieten Raum für eine Pause, um soziale und sensorische Reize zu regulieren.

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