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Unterführung, Velo und Fussverkehr getrennt
Gemeinsame Flächen für den Fuss- und Veloverkehr gefährden Personen mit Behinderung und sind zu vermeiden, Ausnahmen sind verbindlich geregelt.

Die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Personen, die zu Fuss unterwegs sind und Velofahrenden kann bis ca. 40 km/h betragen. Hohe Fahrgeschwindigkeiten werden mit der rasanten Zunahme der Zahl von Elektrovelos immer häufiger, wodurch das Gefahrenpotenzial für den Fussverkehr zunimmt.

Auf gemeinsamen Verkehrsflächen sind Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung am stärksten gefährdet. Reduzierte Wahrnehmungs-, Reaktions- und Bewegungsfähigkeiten erhöhen die Gefahr für Konflikte. Ein Zusammenstoss stellt insbesondere für ältere Menschen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Gemäss Norm SN 640 075 bedarf es einer Sicherheitsabwägung um festzustellen, ob im Ausnahmefall Fuss- und Veloverkehr auf gemeinsamen Flächen geführt werden kann.

Kriterien für die Abgrenzung

Die Norm hält fest, dass Fussgängerbereiche im Siedlungsgebiet nach Möglichkeit mit Trennelementen von Verkehrsflächen für das Velo abgegrenzt werden müssen (15.2). Gemeinsame Flächen kommen nur in Frage, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Wenig Fussgänger und/oder wenig Veloverkehr
  • angemessene Fahrgeschwindigkeit des Veloverkehrs
  • die angrenzende Bebauung weist keine publikumsintensiven Nutzungen auf
  • die Verkehrsfläche ist ausreichend dimensioniert, um Konflikte zwischen Fussgängern und Velofahrenden zu vermeiden

Ausserhalb des Siedlungsgebietes sind gemeinsame Rad- und Fusswege möglich, sofern folgende Kriterien erfüllt sind:

  • die Strecke dient für beide Nutzergruppen hauptsächlich dem Längsverkehr
  • die Strecke hat für den Fussgänger- und/oder für den Veloverkehr eine untergeordnete Bedeutung

Art der Abgrenzung

Die Abgrenzung zwischen Fussgängerbereichen und Flächen für den Veloverkehr erfolgt mit Trennelementen (15.2). Eine weisse, durchgezogene Markierung wäre für Menschen mit Sehbehinderung nicht erkennbar und daher gefährlich. Zeigt eine Sicherheitsabwägung nach oben aufgeführten Kriterien, dass auf die Trennung verzichtet werden kann, werden Fuss- und Veloverkehr auf gemeinsamen Flächen geführt, ohne dem Veloverkehr eine Fahrspur zuzuweisen. Führungselemente dürfen in diesem Fall nicht eingesetzt werden, da sie falsch interpretiert würden.

Werden Fuss- und Veloverkehr auf gemeinsamen Flächen geführt, müssen Übergänge zwischen gemeinsamen Rad- und Fusswegen und angrenzenden Fahrbahnen mit Trennelementen ausgebildet werden. (Ziff. 15.3)

Die nach Norm für die Trennung zwischen Fussgängerbereich und Fahrbahn geeigneten Trennelemente (18.2, Tab. 1) und ihre Vor- und Nachteile werden im (Anh. 7.1.1 – 7.1.3) detailliert beschrieben.

Anwendung der Kriterien – Auslegung

Die Grundsätze und Kriterien werden im Anhang der Norm SN 640 075 (Ziff. 4.2/4.3) wie folgt erläutert:

  • Die Führung des Fussgänger- und Veloverkehrs auf gemeinsamer Fläche ist in der Regel nicht geeignet, wenn die Verkehrsfläche weitere Nutzungen (Aufenthalt, Spiel, Flanieren, Gebäudezugänge) erfüllen soll.
  • Die Breite der Verkehrsfläche muss auf die Verkehrsmengen der beiden Nutzergruppen und die zu erwartenden Begegnungsfälle abgestimmt sein. Gemeinsame Flächen für den Fussgänger- und Veloverkehr mit Breiten < 3,0 m sind nach Möglichkeit zu vermeiden.
  • Auf wichtigen Radrouten und Strecken mit Gefälle sind angemessene Fahrgeschwindigkeiten des Veloverkehrs in der Regel nicht durchsetzbar. Aufgrund der zunehmenden Zahl von Elektrovelos ist generell von höheren Fahrgeschwindigkeiten des Veloverkehrs auszugehen.

Weiterführende Informationen finden Sie im Forschungsbericht VSS 1308 «Hindernisfreier Verkehrsraum» welcher als Grundlage für die Norm SN 640 075 erarbeitet wurde. Den Auszug betreffend Trennung bzw. Mischung von Fuss- und Veloverkehr kann als PDF zu diesem Beitrag heruntergeladen werden.

Verkehrsraum: Fuss-Radwege, Fusswege und Strassen Abgrenzung von Fussgängerbereichen: Kriterien für die Abgrenzung zur Fahrbahn