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Bauten und Einrichtungen, welche der Bildung und Erziehung dienen, müssen allen Lernenden und Lehrkräften eine chancengleiche Nutzung gewährleisten.

Wie diese Zielsetzung zu erfüllen ist, beschreiben die Norm SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» sowie die ergänzenden, praxisgerechten Empfehlungen und Lösungstipps der Fachstelle. Als Bauten und Anlagen für Bildung und Erziehung gelten Kindergärten, Grund-, Mittel-, Berufs-, Fach-, Hochschulen und Bildungsstätten (SIA 500, Anhang A.4).

Nach Norm SIA 500 gelten Einrichtungen mit diesen Nutzungszwecken als öffentliche, dem Publikum zugängliche Bauten und Anlagen. Für sie sind generell die Anforderungen gemäss der Kapitel 3 bis 8 zu erfüllen. Dies sind Anforderungen an die horizontale Erschliessung, vertikale Erschliessung, Orientierung, Beleuchtung, Raumakustik, Beschallungsanlagen, Beschrif­tungen und Bedienelemente.

Ergänzend hierzu müssen bei Bauten für Bildung und Erziehung folgende Anforderungen nach Anhang A.4 (Bildung und Erziehung) und falls zutreffend Anhang A.5 (Vortragsräume und Säle) beachtet und erfüllt werden.

Erschliessung

Rampen im Gebäudeinnern sind nur bedingt zulässig.

Schulzimmer und Schulungsräume

  • Vorzugsweise keine feste Möblierung.
  • Bei fester Möblierung der Zuhörerplätze:
    – min. 2 rollstuhlgerechte Arbeitsflächen zur Benutzung im Sitzen, Tischfläche 0.72 – 0.76 m über Boden, minimale Beinfreiheit 0.70 x 0.80 x 0.60 m (H x B x T) (Ziff. 7.4.4)
    – in Hörsälen, Aulen, Seminar- und Konferenzräumen min. 2 rollstuhlgerechte Zuhörerplätze mit gefällefreier Fläche von 1.10 x 1.40 m (B x L), neben einem von Begleitperson nutzbaren Sitzplatz (Ziff. 7.7.2, Korrigenda C3)
  • Bei Bedarf min. 2 zusätzlich verfügbare Rollstuhlplätze z.B. mittels demontierbarer Stuhlreihen, Klappsitze usw.
  • Bei fester Möblierung für Vortragende:
    – min. ein rollstuhlgerechter Vortragsbereich gemäss der oben genannten Anforderungen für Zuhörerplätze (Ziff. 7.4.4 und Ziff. 7.7.2)

 

Sind Vortragsräume und Säle vorhanden, sind auch die Anforderungen nach Anhang A.5 zu erfüllen. Lesen hierzu den entsprechenden Beitrag «Vortragsräume und Säle».

Umbau, Renovationen

Die Vorgaben gelten grundsätzlich auch für die Anpassung und Renovation bestehender Bauten. Wo bestehende Gegebenheiten die Erfüllung der Regelvorgabe verunmöglichen oder einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern, zeigt die Norm für einzelne Anforderungen bedingt zulässige Abweichungen auf. Die Begründung muss jedoch für den konkreten Einzelfall nachweisen, dass bestehende Grundtatsachen die Erfüllung der Regelvorgabe verunmöglichen (Ziff. 1.2).

 

Ergänzende Empfehlungen zur Norm SIA 500 mit praxisgerechten Lösungstipps enthält auch das Merkblatt 062 «Schulbauten» der Schweizer Fachstelle.

Grundlagen und Empfehlungen für die inklusive Bildung von hörbehinderten Kindern werden von Sonos, der Schweizerische Dachverband für Gehörlosen- und Hörgeschädigten-Organisationen, zusammen mit dem Architekten Max Meyer in der Broschüre «Barrierefreie Schulhäuser» herausgebracht. Die Publikation ist hilfreicher Ratgeber und Planungshilfe für Schulgemeinden, Architekten und Fachplaner und legt den Fokus auf raumakustische Lösungen für hörbehinderte Schülerinnen und Schüler.

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2013

Die SIA stellt kostenfrei Auslegungen zur Norm SIA 500 zur Verfügung, in der Fragen zu verschiedenen Themen erläutert werden.
Zum Thema «Rollstuhlplätze in Vortragsräumen und Sälen» werden fünf Fragen zu organisatorischen und betrieblichen Anforderungen geklärt (Auslegungen zur SIA, 2013, A11).

Öffentlich zugängliche Bauten: Hörsäle / Versammlungs- / Kultusbauten und Schulen / Bildung Planungsvorgaben: Vorgaben / Standards