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In Anlagen für Freizeit, Erholung und Sport sowie in Grünanlagen müssen sowohl Spiel- und Nutzungsbereiche als auch Zuschauerbereiche für Menschen mit Behinderung gleichberechtigt nutzbar sein.

Nach Norm SIA 500 gelten Freizeit-, Sport- und Grünanlagen als öffentlich zugängliche Bauten und Anlagen, welche dem Publikum offenstehen. Dazu zählen insbesondere Mehrzweckhallen, Sporthallen, Stadien/ Sportplätze, Tennishallen, Leichtathletikanlagen/ Hallenbäder, Freibäder, Badestrände, Saunen, Wellness- und Fitnessanlagen/ Spielplätze, Minigolf- und Bocciaanlagen, Billard- und Spielsäle/ Parks, Kinderspielplätze, Promenaden und Friedhöfe (Anh. A.8).

Anlagen mit solchen Angeboten und Nutzungszwecken haben generell die Anforderungen gemäss den Kapitel 3 – 8 zu erfüllen. Dies beinhaltet die horizontale Erschliessung, vertikale Erschliessung, Beleuchtung, Raumakustik, Beschallungsanlagen, Orientierung, Beschriftungen und Bedienelemente.

Ergänzend dazu regelt die Norm die Anforderungen an folgende nutzungsspezifischen Eirichtungen (Anh. A.8.2 bis A.8.8):

Zuschauerbereiche

  • Rollstuhlplätze müssen die Anforderungen gemäss SIA 500 Ziffer 7.7.2 erfüllen. Ihre Anzahl richtet sich nach dem Total an Zuschauerplätzen (A.8.2):
    bis 200: min. 2
    201 bis 10’000: 1% des Totals an Zuschauerplätzen
    10’001 bis 20’000: 100 + 0.5% der Zuschauerplätze über 10’000
    20’001 bis 40’000: 150 + 0.3% der Zuschauerplätze über 20’000
    über 40’000: 210 + 0.2% der Zuschauerplätze über 40’000
  • Bei Anlagen bis 2000 Zuschauerplätze muss es möglich sein, auf Voranmeldung zusätzliche min. 10 Rollstuhlplätze anzubieten, z.B. mittels demontierbaren Sitzreihen.
  • Bei jeder Toilettenanlage muss mindestens eine rollstuhlgerechte Toilette (gemäss Ziff. 7.2.3) vorhanden sein.
  • Akustische Informationen müssen nach dem Zweisinne-Prinzip auch visuell vermittelt werden (A.8.2).
  • Bei Zuschauerbereichen in Hallen sind zusätzlich Höranlagen mit induktiver Übertragung (gemäss Ziff. 7.8.2) zu installieren welche vorzugsweise alle Zuschauerplätze, mindestens aber 20 % davon abdecken (A.8.3).

Spiel- und Nutzungsbereiche in Freizeit- und Sportanlagen

Spiel und Nutzungsbereiche, die von Menschen im Rollstuhl benutzt werden können, müssen alle die Anforderungen der Kapitel 3 «Erschliessung» und Kapitel 6.1 «Bedienelemente und Gegensprechanlagen» erfüllen.

Sanitärräume in Bädern und Sportanlagen

  • Rollstuhlgerechte Toilette (gemäss Ziff. 7.2.3): mindestens je eine für Damen und Herren; in kleinen Anlagen darf diese mit der Zuschauertoilette identisch sein, sofern es sich aus betrieblicher Sicht eignet.
  • Rollstuhlgerechte Dusche (gemäss Ziff. 7.2.4): mindestens je eine für Damen und Herren; vorzugsweise wird die Erschliessung zu allen Duschen gemäss Kapitel 3 ermöglicht.
  • Rollstuhlgerechte Umkleideräume (gemäss Ziff. 7.2.5): mindestens je einen für Damen und Herren; vorzugsweise wird der Zugang zu allen Umkleideräumen hindernisfrei erschlossen. Geschlechterneutrale Umkleideräume sind nur zulässig, wo dadurch keine Nachteile in der Nutzung und Verfügbarkeit bestehen. Sie haben folgende Anforderungen zu erfüllen:
    – Grösse min. 4 m2, wobei kein Raummass weniger als 1,80 m betragen darf
    Drehflügeltüren vorzugsweise nach aussen öffnend
    – Detailmasse, Anordnung und Ausstattung gemäss Anhang E.5.

Wasserbecken in Hallen- und Freibädern

  • min. ein Treppeneinstieg pro Wasserbecken: Stufenhöhe max. 0.15 m; zwei parallele Handläufe im Abstand von 0.60 – 0.65 m Breite (gemäss Ziff. 3.6 «Treppen»)
  • an jedem Becken min. an einer Stelle ein rollstuhlgerechter Wasserbeckenrand: Höhe landseitig 0.45 – 0.50 m; Höhe wasserseitig max. 0.15 m; Beckenrandbreite min. 0.60 m auf einer Länge von min. 1.40 m; freie Manövrierfläche vor dem Beckenrand min. 1.40 x 1.40 m
  • min. beim Hauptbecken ein Personenhebegerät (Poollift) für den Wassereinstieg

Fluss- und Seebäder

  • Stufenloser Zugang zum Ufer gemäss Kapitel 3 an min. an einer Stelle
  • Treppeneinstieg an min. einer Stelle: Stufenhöhe max. 0.15 m; zwei parallele Handläufe im Abstand von 0.60 – 0.65 m Breite (gemäss Ziff. 3.6 «Treppen»)
  • Rollstuhleinstieg in Sehbädern mit Rampe oder Hebeeinrichtung, je nach Art des Seeufers

Wege in Parks, Gartenanlagen, Friedhöfen

Geradläufige Nebenwege dürfen abweichend von den Vorgaben in Kapitel 3 eine Breite von min. 0.80 m aufweisen. Bei Richtungsänderungen und Einmündungen muss die Summe der beiden Wegbreiten min. 2.00 m betragen.

Bestehende Bauten

Alle Vorgaben gelten grundsätzlich ebenfalls für die Anpassung und Renovation bestehender Einrichtungen. Wo Gegebenheiten die Erfüllung der Regelvorgabe verhindern oder einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern, zeigt die Norm für einzelne Anforderungen bedingt zulässige Abweichungen auf. Es muss jedoch für den konkreten Einzelfall begründet nachgewiesen werden, dass bestehende Gegebenheiten die Erfüllung der Regelvorgabe verunmöglichen (Ziff. 1.2).

Weiterführende Informationen

Für Sportbauten ist auch die SIA-Dokumentation zu konsultieren. Für Spielplätze zeigt die Richtlinie «Spielplätze für alle» Lösungsbeispiele.

 

Stand 03.08.2017

 

Öffentlich zugängliche Bauten: Freizeit- / Sportanlagen Planungsvorgaben: Vorgaben / Standards
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