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Bild: Wohnbau mit angefügtem Aufzug
Der anpassbare Wohnungsbau lässt sich als gute Lösung für einen nachhaltigen Wohnungsbau beschreiben, der geschickt der Vielfalt unserer Gesellschaft Rechnung trägt.

Ob und ab wievielen Wohneinheiten der Anpassbare Wohnungsbau gefordert wird, ist den kantonalen Bauvorschriften zu nehmen. Seine minimalen Anforderungen sind in der SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» (Kategorie II: Bauten mit Wohnungen) detailliert beschrieben. Die Erschliessung bis zur Wohnungstür wird im Kapitel 9 und für das Wohnungsinnere im Kapitel 10 der Norm abgehandelt.
Der Anpassbare Wohnungsbau gilt für Neu- und Umbauten sobald der Kanton, in dem das Bauobjekt steht, die SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» als Planungsgrundlage nennt.

Die Grundlagen dieser Norm wurden durch die Schweizer Fachstelle für hindernisfreie Architektur seit 1989 erarbeitet, sukzessive ergänzt und in der Richtlinie «Wohnungen hindernisfrei – anpassbar» ausführlich erläutert. Hier finden sich anschauliche Illustrationen. Die dritte Auflage dieser Richtlinie ist auf die SIA Norm 500 abgestimmt. Die Punkte der Norm sind übersichtlich in Gebäudebereiche und Raumarten eingeteilt.

Der Anpassbare Wohnungsbau

Der Anpassbare Wohnungsbau ist in seinen Grundzügen so konzipiert, dass er von nahezu allen Teilnehmern der Gesellschaft selbstbestimmt nutzbar ist. Er stützt sich auf ein Konzept, dass sich in zwei Stufen umsetzen lässt:

  • In der Basis möglichst alle Wohnbauten (vom Hauszugang bis zum Wohnungsgrundriss) hindernisfrei und besuchsgeeignet (auch für Personen mit Behinderung) erstellen.
  • Die einzelnen Wohnungen im Bedarfsfall nachträglich mit geringem baulichen Aufwand an die individuellen Bedürfnisse anpassen können.

Das bedeutet, Wohnungen müssen eine minimale Besuchseignung (auch für Personen mit einer Behinderung) aufweisen und bei Bedarf individuell für behinderte Bewohner anpassbar sein. Für eine Besuchseignung gilt die Rollstuhlgängigkeit als primärer Massstab, denn wo sich ein Besucher im Rollstuhl bewegen kann, wird auch allen anderen Menschen eine Nutzung möglich.

Drei Grundregeln müssen befolgt werden, um eine spätere Anpassung zu ermöglichen:

1. keine vertikalen Barrieren keine Stufen oder hohen Schwellen
2. keine horizontalen Barrieren ausreichende Durchgangsbreiten
3. keine räumlichen Hindernisse ausreichende Bewegungsfläche

 

Da DIE allgemeingültige behindertengerechte Wohnung kaum existieren kann, weil Ansprüche und Bedürfnisse je nach Beeinträchtigung erheblich variieren, macht es wenig Sinn, behindertengerechte Wohnungen im Vorhaltesystem zu erstellen und gegebenenfalls freihalten zu müssen. Von Wohnräumen, die im Vorfeld bei der Planung bereits hindernisfrei erstellt werden und sich leicht, individuell von ihren Bewohnern anpassen lassen, profitieren alle. Sie sind generell attraktiver, multifunktionaler und für ältere Menschen mit Rollator genauso interessant wie für Eltern mit Kinderwägen, vorübergehend Mobilitätseingeschränkte und Umzügler. Sie reduzieren die Unfallgefahr und damit einhergehende Pflegekosten sowie Baukosten für nachträgliche Umbauten (sowohl privatwirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich).

Eine geschickte Planung verursacht in Neubauprojekten kaum finanziellen Mehraufwand oder erhöhten Platzbedarf. Allenfalls die Aufzugsanlage benötigt mehr Platz und kleinere Wohnungen haben im Vergleich zu grossen Wohnungen einen proportional grösseren Platzbedarf für den Sanitärbereich. Die Mehraufwände für Umbauten können höher liegen, hier gilt es die Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen.

Die Realität zeigt, dass der minimal grössere Platzbedarf des anpassbaren Wohnungsbaus zu einem längerfristigeren Werterhalt der Immobilie, zu Komfortsteigerung, Sicherheit, Ertragssteigerung (durch bessere Vermiet- und Verkaufbarkeit an ein weiteres Spektrum möglicher Interessenten) und zu volkswirtschaftlicher Entlastung (Minimierung Neubau von Alters- und Pflegezentren durch öffentliche Hand, da Menschen länger in ihren Wohnungen verbleiben können) führt.

Der Artikel «Wohnungen für jede Lebenslage» im bulletin Nr. 60 publiziert, erklärt das Prinzip der Verhältnismässigkeit, das bei Renovationen zur Geltung kommt und zeigt einige Problemstellungen, Prioritäten und Lösungen für Renovationen auf.

Alterswohnungen

Alterswohnungen haben im Gegensatz zum anpassbaren Wohnungsbau bereits bei Projektierung eine höhere Qualität zu erfüllen. Man geht hier im Vorhinein von einer spezifischen Nutzung durch ältere Menschen aus. Dies gilt für alle Projekte, bei denen Alterswohnungen oder generationsübergreifende Wohnformen geplant sind. Den Planungsrichtlinien «Altersgerechte Wohnbauten» der Schweizer Fachstelle Hindernisfreie Architektur können alle wichtigen Grundprinzipien und interessante Detailinformationen entnommen werden.

Spezifische Wohneinrichtungen

Spezifische Wohneinrichtungen wie Altersresidenzen oder Pflegezentren benötigen die Abdeckung höherer Anforderungen als die in der Norm SIA 500 für Wohnbauten vorgegebenen (Geltungsbereich, Ziff. 0.1.5). Hier gelten laut SIA 500 «weitergehende oder andere Anforderungen», welche nicht weiter ausgeführt werden. Sie sind im Einzelfall mit den Auftraggebern, dem Pflegepersonal und dem Nutzer zu bestimmen. Die Planungsrichtlinien «Altersgerechte Wohnbauten» geben zu Pflegewohngruppen Hinweise, die mit dem Auftraggeber zu besprechen sind.

Weiterführende Informationen zu spezifischen Wohneinrichtungen finden Sie im Beitrag «Spezialbauten».

 

Stand 08.08.2018

Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen. Planungsvorgaben: Richtlinien und Vorgaben / Standards.