Bewegungsflächen im Wohnungsbau sind alle freien oder Wendefläche, die die Bedienung von konstruktiven Elementen für Personen im Rollstuhl, mit einem Rollator oder Kinderwagen vereinfachen.

Um rollstuhl- und besuchsgeeignet zu sein, muss sich in Wohnbauten die räumliche Dimensionierung aller notwendigen Gebäudebereiche an den Abmessungen eines Rollstuhles und dessen Platzbedarf zum Manövrieren orientieren.

BewegungsflächeDimensionen (B x L)Bemerkung
Stellflächemin. 0.70 x 1.30 m
Drehfläche 90°min. 1.40 x 1.40 mfür das ungehinderte Drehen um 90° mit einem Standardrollstuhl
Wendefläche 180°min. 1.40 x 1.70 mfür das Wenden um 180° (ohne hin und her manövrieren zu müssen)

 

Hieraus ergeben sich minimale Wege-, Korridor- und Duchgangsbreiten, sowie Raumgrössen, die einzuhalten sind, damit ein Wohnbau im Bedarfsfall nachträglich, mit geringem baulichem Aufwand, angepasst werden kann.

Anmerkung 
Der Rollstuhlfahrer bildet in Bezug auf Bewegungsfreiheit den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Nutzer. Wo ein Rollstuhl ungehindert passieren kann, können sich auch alle anderen Nutzer uneingeschränkt bewegen.

 

Das Kapitel 9 der SIA Norm 500 «Hindernisfreie Bauten» erörtert ausführlich alle zur Bewegung im Rollstuhl notwendigen Flächen ausserhalb der Wohnung.

Allgemein

Freie Fläche vor Türen

  • Türbedienung v2016Bei nicht automatisierten Türen ist eine freie Fläche neben dem Türgriff auf der Seite des Schwenkbereichs erforderlich.
    Diese Fläche muss vorzugsweise eine Breite x von 0.60 m aufweisen.
    Wird der Türflügel 90° geöffnet, muss eine freie Länge y von min. 0.60 m vorhanden sein, so dass die Summe von x und y min. 1.20 m beträgt (Ziff. 9.2.3), um beim Türöffnen entsprechend manövrieren zu können.
            x + y = min. 1.20 m
    Unter der Voraussetzung, dass diese Formel eingehalten wird, ist es zulässig, die Breite x bis auf 0.20 m zu verringern (Ziff. 9.2.3, Korrigenda C3).
  • Steht eine Türe neben einem Treppenabgang oder einer anderen Absturzgefahr, muss der Abstand zwischen Aussenkante der Türleibung und dem Ausstiegstritt min. 0.60 m messen (Ziff. 9.2.4, Korrigenda C3).

Tür-Treppen / Escalier-porte 1

Wege und Korridore

  • Breite: ≥ 1.20 m; Fertigmass (Ziff. 9.3.1)
  • KorridorbreiteBreite zwischen 1.00 und 1.20 m:
    – zulässig bei geraden Wegen und Korridoren ohne seitliche Abgänge;
    – nur bedingt zulässig, d.h. bei Umbauten( falls nicht korrigierbar), wenn die Summe der nutzbaren Tür- oder Durchgangsbreite x und der Korridorbreite y min. 2.00 m beträgt.
          x + y = min. 2.00 m (Ziff. 9.3.2, Korrigenda C3),
    D.h. in schmaleren Korridoren müssen seitliche Durchgänge verbreitert werden, damit auch bei Gebrauch von Hilfsmitteln (Rollator, Rollstuhl) eingebogen werden kann.
  • Mindestens eine Wendefläche von 1.40 x 1.70 m muss in Korridoren und Laubengängen verfügbar sein (Ziff. 9.3.3).

Hindernisse

  • Als Hindernis wird jedes Konstruktionselement oder Ausstattungsteil betrachtet, dass seitlich mehr als 0.10 m in den Bewegungsraum hineinragt oder die nutzbare Höhe von 2.10 m unterschreitet (Ziff. 9.3.4); z.B. hervorstehende Informationstafeln oder Briefkästen, Treppenläufe oder geneigte Bauteile, etc.

HöheMinimale Seitenlängen
oder minimaler Durchmesser
1.0 m0.1 m
0.8 m0.2 m
0.6 m0.3 m
0.4 m0.5 m
0.2 m0.7 m

 

  • Hindernisse dürfen die lichte Breite der Bewegungsfläche nicht einschränken. Sie sind taktil erfassbar zu gestalten und visuell zu kennzeichnen (Ziff. 9.3.4).
  • Die Flächen unter den Treppenläufen und die Hindernisse denen Unterkante höher als 0.30 m über Boden liegen müssen entweder mit einer Barriere oder mit einem Sockel von min. 30 mm ertastbar sein. Die Barriere sollte als Richtwert eine Höhe von 1.00 m aufweisen und mit einer unteren Traverse auf max. 0.30 m über Boden versehen werden. Enden und Ecken von Abschrankungen, die in den Bewegungsraum ragen, müssen mit eine durchgehenden vertikalen Abschluss versehen sein. Bewegliche Ketten oder Seile sind nicht zulässig (Ziff. 9.3.4 und 9.3.5).

Rampen

Rampen dürfen im Inneren eines Wohnhauses nur als Niveauüberwindung zwischen Garage und Treppenhaus oder Aufzug vorgesehen werden. Bei Umbau und Renovationen sind sie ausnahmsweise in weiteren Zonen erlaubt (Ziff. 9.1.2).

  • Mindestbreite: 1.20 m (Ziff. 9.4.2)
  • Freiflächen bzw. gefällefreie Podeste mit einer Länge min. 1.40 m am Anfang und am Ende von Rampen sowie vor Türen und Durchgängen vorsehen (Ziff. 9.4.3);
  • Bei Schwenkbereichen von Türflügeln im Podest den vorangegangenen Punkt «Freie Fläche vor Türen» beachten (Ziff. 9.4.3);
  • Gefällefreies Podest bei Änderung der Bewegungsrichtung um mehr als 45° mit einer Fläche von min. 1.40 x 1.40 m einplanen (Ziff. 9.4.3).

Weitere Informationen finden Sie im Beitrag «Rampen im Wohnungsbau»

Aufzüge

  • Grafik: Manövrierfläche zwischen Schachttür und gegenüberliegendem TreppenabgangDistanz zwischen Schachttüren und gegenüberliegenden Treppenabgängen min. 1.40 m (Ziff. 9.5.1, Korrigenda C3)

 

 

 

  • Grafik: seitlicher Sicherheitsabstand zwischen Schachttür und TreppenabgangDistanz zwischen dem Treppenaustritt und der Aussenkante der Kabinentürleibung min. 0.60 m (Ziff. 9.5.1, Korrigenda C3)

 

 

 

  • Freifläche vor Bedienelement z.B. Ruftaster (Ziff. 9.6.1 und Auslegung SIA 500, 2018, A22):
    – Breite: min. 1.40 m; beidseitig min. 0.70 m
    – Breite: einseitig min. 0.70 m nur bei Umbau oder Renovation zulässig
    – bei evtl. Nische: Tiefe max. 0.25 m

 

 

Weitere Informationen finden Sie im Beitrag «Aufzüge im Wohnungsbau» und im  Merkblatt 020 «Aufzuganlagen».

Hebebühne / Treppenlift

Ist kein Aufzug im Gebäude vorhanden und im Zuge einer Renovation oder eines Umbaus aus Kosten- oder Platzgründen nicht vorgesehen, müssen folgende Anforderungen erfüllt werden (Ziff. 9.1.3):

  • Mindestens ein Vollgeschoss muss hindernisfrei, ohne Stufen nutzbar und erreichbar sein.
  • Für das Erreichen der übrigen Geschosse müssen im Treppenhaus Vorkehrungen für den nachträglichen Einbau (im Bedarfsfall) einer Hebebühne oder eines Treppenlifts getroffen werden.

Hebebühne

  • Dimension der Förderplattform: min. 1.40 m x 1.10 m (L x B), analog der Mindestmasse von Aufzugkabinen (Ziff. 9.1.3, 9.5.2)
  • Manövrierfläche bei Ein- bzw. Ausfahrt ist bei allen Stationen mit Grösse 1.40 x 1.40 m zu gewährleisten (sinngemäss Ziff. 3.8.4).
  • Platzbedarf für nachträglichen Einbau des Plattformlifts berücksichtigen (Ziff. 9.1.3). Dieser ist beim Hersteller zu erfragen.

Treppenlifte

  • Platzbedarf für nachträglichen Einbau des Treppenlifts berücksichtigen (Ziff. 10.1.2):
    – Durchgangshöhe über Treppe: min. 2.10 m,
    – Treppenbreite für gerade, einläufige Treppen: min. 1.0 m (Lichtmass nach Installation der Führungsschienen),
    – Treppenbreite für alle anderen Treppen: 1.10 m (Lichtmass nach Installation der Führungsschienen)
  • Dimensionierung der Förderplattform: min. 1.25 x 0.80 m (L x B), vorzugsweise 0.90 m breit (Ziff. 9.1.3, 3.8.5)
  • Treppenlifte dürfen gemäss SN EN 81-40 nur im sitzen genutzt werden. Um die Benutzung allen zu ermöglichen, ist der Treppenlift mit einem Klappsitz auszustatten. (Ziff. 3.8.5und Auslegung SIA 500, 2018, A10).

Weitere Informationen finden Sie im Beitrag «Hebebühnen /Treppenlifte im Wohnungsbau» und im Merkblatt  027 «Hebesysteme».

Parkplätze, rollstuhlgerecht

Der Parkplatz sollte wenn möglich witterungsgeschützt sein, in der Nähe vom rollstuhlgerechten Gebäudezugang liegen und die folgenden Dimensionen vorweisen:

  • Senkrecht- und Schrägparkfelder: Breite min. 3.50 m, rechtwinklig zu den seitlichen Begrenzung gemessen
  • Längsparkfelder: Länge min. 8.00 m, in Fahrrichtung gesehen, mit einer absatzfreien, an das Parkfeld anschliessenden Fläche, dessen Breite min. 1.40 m betragen muss (Ziff. 9.7.1)

Waschküchen

In gemeinsam genutzten Waschküchen muss vor jedem Gerät (Waschmaschine und Wäschetrockner) folgende Freifläche vorhanden sein oder im Sinne der Anpassbarkeit im Bedarfsfall geschaffen werden können (Ziff. 10.5.3):

  • Freifläche: 1.40 x 1.40 m
  • Stehen die Geräte nebeneinander, dürfen sich die Freiflächen überschneiden.

 

Weitere Angaben und Illustrationen finden Sie in der Richtlinie «Wohnungsbau hindernisfrei – anpassbar».

Für Informationen über Bewegungsflächen innerhalb der Wohnungen siehe Beitrag «Bewegungsflächen innerhalb der Wohnung».

Stand 05.03.2021

 

Auslegungen zur Norm SIA 500 aus dem Jahr 2018

Zu diversen Themen sind in den Auslegungen zur Norm SIA 500:2009 aus dem Jahr 2018 Anmerkungen, Erläuterungen und Interpretationen zu finden, die die Anforderungen präzisieren.
– Auslegung A10: Ausstattung von Treppenliften
– Auslegung A22: Anordnung von Klingeln und Briefkästen in Wohnbauten

      Bauten mit Wohnungen: Anpassbare Wohnungen. Themen Fachinformationen: Bewegungsfläche / Durchfahrbreite.